Eine belegte Wirkung der Schmetterlingstramete, auch Turkey Tail genannt, gibt es für Gesunde nicht: Untersucht wurde fast nur der Extrakt PSK, den Krebskranke in Japan zusätzlich zur Chemotherapie bekamen, und ein Cochrane-Review von 2022 bewertete diese Belege als schwach. In der EU ist der Pilz ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, das EU-Schnellwarnsystem zählt seit 2020 dazu 23 Meldungen. Stand: Oktober 2026.
Die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor, früher Coriolus versicolor) ist ein Baumpilz aus der Familie der Stielporlingsverwandten. Sie wächst an Holz in Wäldern der gemäßigten Zonen. Ihre dünnen Hüte tragen farbige Ringe, daher der englische Name Turkey Tail, Truthahnschwanz.
Als Speisepilz gilt sie nicht. In der traditionellen chinesischen Medizin heißt sie Yun Zhi und wurde dort unter anderem bei Erkrankungen der Lunge verwendet.
Aus dem Pilz werden Extrakte gewonnen. Die bekanntesten sind PSK und PSP, lange Zuckerketten, an die Eiweiß gebunden ist. PSK wird in Japan seit Mitte der 1970er-Jahre als Arzneimittel begleitend zur Krebsbehandlung eingesetzt, PSP stammt aus China.
Im Handel wird die Schmetterlingstramete als „Vitalpilz“ angeboten, als Kapsel, Pulver oder in Pilzkaffee. Den Begriff „Vitalpilz“ hat das Marketing erfunden, er ist weder definiert noch geschützt. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Lebensmittel, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartig. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. Für die Schmetterlingstramete gibt es keine.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Trametes versicolor, auch unter dem alten Namen Coriolus versicolor: noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Laut Katalog kennen die EU-Länder keinen Verzehr vor 1997. In Portugal wurde der Pilz erst ab 2001 als Nahrungsergänzung verkauft. |
| Zulassungsantrag | Für „Coriolus versicolor“ wurde eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel beantragt. Die EU-Kommission beendete das Verfahren am 6. Dezember 2021, ohne den Pilz in die EU-Liste aufzunehmen. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung. |
| Gerichte in Bayern | Ein Landratsamt verbot 2022 den Verkauf von Lebensmitteln mit dem Pilz. Das Verwaltungsgericht München wies die Klage dagegen 2024 ab, weil die Firmen keinen nennenswerten Verzehr vor 1997 belegen konnten. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof ließ die Berufung 2026 nicht zu. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | 23 Meldungen von 2020 bis 2026 aus 13 Ländern. Betroffen waren vor allem Nahrungsergänzungsmittel, außerdem Pilzpulver und Pilzkaffee. |
| Arzneimittel | PSK ist in Japan ein zugelassenes Arzneimittel für die Krebsbehandlung, PSP wird in China eingesetzt. In den USA hat die Arzneimittelbehörde FDA keinen Heilpilz für die Krebsbehandlung zugelassen. Ein in Deutschland zugelassenes Arzneimittel mit dem Pilz ist uns nicht bekannt. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Kapseln, Pulver und Pilzkaffee mit Schmetterlingstramete dürfen in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Was im Netz angeboten wird, hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien liefen mit Krebskranken und mit bestimmten Extrakten, nicht mit Kapseln aus dem Handel. Andere Pilze prüfen wir bei Reishi, Maitake und Shiitake.
Ein Cochrane-Review (2022) fand 7 Studien mit 1.569 Menschen mit Krebs im Dick- oder Enddarm, 6 davon aus Japan. Alle bekamen eine übliche Krebsbehandlung, ein Teil zusätzlich den Extrakt PSK. Ob PSK Nebenwirkungen der Chemotherapie verringert, blieb wegen sehr unsicherer Belege offen. Beim Überleben nach fünf Jahren sahen die Forschenden einen kleinen Unterschied, die Belege waren aber schwach. Die damals verwendeten Chemotherapien entsprechen nicht der heutigen Behandlung.
Eine Auswertung (2007) von 8 Studien mit 8.009 Menschen nach einer Magenkrebs-Operation verglich Chemotherapie mit und ohne PSK. Mit PSK lebten die Teilnehmenden im Schnitt etwas länger. Alle Studien liefen in Japan mit den damals üblichen Chemotherapien.
In einer Studie aus Japan (2018) mit 111 Menschen nach einer Operation wegen Enddarmkrebs bekam ein Teil Chemotherapie plus PSK, der andere Teil keine weitere Behandlung. In der Gruppe mit PSK waren Rückfälle eher etwas häufiger, der Unterschied war aber nicht eindeutig. Die Studie wurde früh beendet, weil sich zu wenige Menschen meldeten.
In einer kleinen Studie aus den USA (2012) nahmen 9 Frauen nach einer Brustkrebs-Behandlung 6 Wochen lang ein Präparat aus dem Pilz. Geprüft wurde die Verträglichkeit, eine Vergleichsgruppe gab es nicht. Einige Immunwerte im Blut veränderten sich. Was das für den Verlauf bedeutet, ist offen.
In einer Studie (2014) mit 24 Gesunden veränderte der Extrakt PSP über einige Wochen, welche Bakterien sich im Stuhl fanden. Ob das der Gesundheit nützt, wurde nicht untersucht. Aussagekräftige Studien mit Gesunden, die mehr als Laborwerte messen, gibt es nach unserer Recherche nicht.
Studien zu Wechselwirkungen am Menschen gibt es kaum. Die Tabelle zeigt, wo Vorsicht naheliegt.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Chemotherapie, Immuntherapie und andere Krebsmedikamente | Die Studien mit PSK liefen vor allem in Japan mit älteren Chemotherapien. Ob Pilzextrakte zu heutigen Krebsmitteln passen, ist nicht untersucht. Nur nach Rücksprache mit deinem Behandlungsteam. |
| Mittel, die das Immunsystem dämpfen, etwa nach einer Transplantation | Nicht untersucht. Extrakte veränderten in Studien Immunwerte im Blut. Ob das solche Mittel stört, ist offen. Sprich vorher mit deiner Praxis. |
| Andere Medikamente, die du regelmäßig nimmst | Laut MSKCC kann der Pilz beeinflussen, wie manche Medikamente wirken. Welche das sind, ist nicht genannt. Frag in deiner Apotheke. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Produkt mit Schmetterlingstramete mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine, auch nicht für Gesunde. Untersucht wurde vor allem der Extrakt PSK zusätzlich zur Chemotherapie bei Krebskranken in Japan, ein Cochrane-Review (2022) bewertete die Belege als schwach. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung nicht. Der Pilz gilt in der EU als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. 2024 bestätigte das Verwaltungsgericht München ein Verkaufsverbot.
Studien mit dem Extrakt PSK zusätzlich zur Chemotherapie fanden teils ein etwas längeres Überleben, die Belege sind aber schwach und beruhen auf älteren Therapien. Ein Pilzpräparat ersetzt keine Behandlung, sprich jedes Präparat mit deinem Behandlungsteam ab.
Ein Extrakt aus der Schmetterlingstramete, der in Japan seit Mitte der 1970er-Jahre als Arzneimittel begleitend zur Krebsbehandlung eingesetzt wird. Kapseln aus dem Handel sind damit nicht vergleichbar.
In Studien wurden Extrakte meist gut vertragen, selten wurden dunkler Stuhl und dunklere Fingernägel beschrieben. Zu Schwangerschaft, Stillzeit und Wechselwirkungen fehlen Daten.
Als Speisepilz gilt sie nicht. Auch als Pulver, Tee oder Pilzkaffee ist sie in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen.
Eine Dosis nennen wir nicht, und eine amtlich geprüfte gibt es nicht. Mengen aus Studien sind Studienbedingungen, kein Rat.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.