Eine belegte Wirkung von Serrapeptase gibt es nicht: Neuere Studien in Japan fanden keinen Unterschied zu Placebo, das Arzneimittel wurde dort 2011 vom Markt genommen. In der EU ist das eiweißspaltende Enzym ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, und Behörden meldeten seit 2020 mindestens 18-mal Produkte damit über das EU-Schnellwarnsystem. Stand: Oktober 2026.
Serrapeptase, auch Serratiopeptidase, ist ein Enzym, das Eiweiß spaltet. Es stammt aus dem Bakterium Serratia marcescens, das ursprünglich aus Seidenraupen isoliert wurde. Hergestellt wird es durch Fermentation, also mit Bakterienkulturen.
In Japan wurde Serrapeptase ab 1957 als Arzneimittel bei Entzündungen und Schwellungen eingesetzt, später auch in Europa und anderen Teilen Asiens. Inzwischen ist es in Japan, Singapur und Deutschland als Arzneimittel vom Markt.
Im Labor spaltet das Enzym auch Fibrin. Fibrin bildet das Netz, das ein Blutgerinnsel zusammenhält. Darauf beruhen viele Versprechen im Netz – und auch die Sorge um Blutungen.
Andere Enzyme, die Eiweiß oder Fibrin spalten, sind zum Beispiel Bromelain aus Ananas, Papain aus Papaya und Nattokinase aus Natto. Ein Nährstoff ist Serrapeptase nicht, und eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es auch nicht.
Für Serrapeptase gelten die EU-Regeln für neuartige Lebensmittel. Entscheidend ist, ob ein Stoff vor dem 15. Mai 1997 in der EU in nennenswertem Umfang gegessen wurde. Wenn nicht, braucht er vor dem Verkauf eine Zulassung.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| EU, Lebensmittel und Nahrungsergänzung | Nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel laut EU-Katalog für neuartige Lebensmittel. In der EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel steht es nicht. |
| EU, Zulassungsanträge | Zwei Verfahren endeten ohne Zulassung, mit Beschlüssen der EU-Kommission vom 8. April 2022 und vom 30. Januar 2025. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Mindestens 18 Meldungen von 2020 bis 2026 aus Slowenien, Polen, der Slowakei, Spanien und Luxemburg – jeweils Nahrungsergänzungsmittel mit Serrapeptase als nicht zugelassenem neuartigem Lebensmittel. |
| Deutschland, Arzneimittel | Ein Arzneimittel mit Serrapeptase war seit 1984 zugelassen. Der Hersteller rief es 2013 zurück und stellte den Verkauf weltweit ein, weil die Belege für die Wirksamkeit nicht ausreichten. |
| Japan und Singapur | In Japan 2011 vom Markt genommen, weil Studien gegen Placebo keinen Unterschied zeigten. Singapur ließ Serrapeptase als Arzneimittel ab 2011 auslaufen. |
| Kanada | Darf als Naturgesundheitsprodukt verkauft werden, mit Pflicht-Warnhinweisen der Gesundheitsbehörde Health Canada (Monografie 2025). |
Beim Rückruf in Deutschland nannte der Hersteller laut japanischer Arzneimittelbehörde keine Sicherheitsbedenken. Der Grund war, dass sich die Wirkung nicht ausreichend belegen ließ.
Für dich heißt das: Produkte mit Serrapeptase dürfen in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Was im Netz angeboten wird, hat keine behördliche Prüfung von Qualität und Sicherheit durchlaufen.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die meisten Studien sind klein, alt oder ohne echte Vergleichsgruppe.
Neuere Studien in Japan bei chronischer Bronchitis und bei verstauchtem Knöchel fanden keinen Unterschied zu Placebo. Der Hersteller nahm das Arzneimittel deshalb 2011 in Japan vom Markt. Die Behörde in Singapur kam nach eigener Prüfung zum selben Ergebnis.
Eine systematische Übersicht (2013) prüfte 24 Studien. Die Belege seien methodisch schwach: wenige, kleine Studien, oft ohne klare Angaben zu Menge, Dauer und Ziel. Für den Einsatz bei Schmerzen und als Nahrungsergänzung reichen sie laut den Autoren nicht aus, Daten zur Langzeitsicherheit fehlen.
Eine Auswertung von 5 Studien (2018) fand nach dem Ziehen von Weisheitszähnen eine etwas bessere Mundöffnung als mit Kortison, bei der Schwellung keinen Unterschied. In einer Studie mit 133 Menschen (2021) waren Schwellung und Kieferklemme am vierten Tag etwas geringer als mit Placebo, die Schmerzen nicht. Eine Studie mit 150 Menschen (2009) fand gar keinen Unterschied zu Placebo.
Dieses Versprechen beruht auf Laborversuchen, in denen das Enzym Fibrin spaltet. Die Übersicht von 2013 fand dazu nur Einzelberichte. Studien am Menschen, die Ablagerungen in den Gefäßen gemessen haben, gibt es nach unserer Recherche nicht.
In einer Klinik-Auswertung mit 50 Frauen mit Lipödem (2026) war das Gewebe nach 4 Wochen und nach 3 Monaten mit Serrapeptase nicht weicher als ohne. Auch bei den Schmerzen gab es keinen Unterschied.
Formale Studien zu Wechselwirkungen gibt es kaum. Die kanadische Gesundheitsbehörde nennt aber ausdrücklich zwei Gruppen von Medikamenten, bei denen vorher ärztlicher Rat nötig ist.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer (zum Beispiel Phenprocoumon, Apixaban, Rivaroxaban) | Mögliches zusätzliches Blutungsrisiko, weil das Enzym Fibrin spaltet. Nicht ohne ärztliche Rücksprache kombinieren. |
| Mittel gegen das Verklumpen von Blutplättchen (zum Beispiel ASS, Clopidogrel) | Ebenfalls ein mögliches Blutungsrisiko. Untersucht ist die Kombination nicht. |
| Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac) | Von Health Canada ausdrücklich genannt: vorher ärztlichen Rat einholen. Untersucht ist die Kombination nicht. |
Ob sich Serrapeptase mit anderen Enzymen verträgt, die Fibrin spalten, etwa Nattokinase oder Lumbrokinase, ist nicht untersucht. Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Produkt mit Serrapeptase mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine. Eine Übersicht von 24 Studien (2013) fand die Belege methodisch schwach, und neuere Studien in Japan zeigten keinen Unterschied zu Placebo.
Als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung nicht: In der EU ist Serrapeptase ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Zwei Zulassungsanträge endeten 2022 und 2025 ohne Zulassung.
Beschrieben sind Hautreaktionen und aus Japan mehrere Fälle einer besonderen Form von Lungenentzündung. Weil das Enzym im Labor Fibrin spaltet, gilt bei Blutverdünnern und vor Operationen Vorsicht.
Nicht ohne ärztliche Rücksprache. Die kanadische Gesundheitsbehörde verlangt dazu einen Warnhinweis auf jedem Produkt.
Neuere Studien bei chronischer Bronchitis und verstauchtem Knöchel zeigten keinen Unterschied zu Placebo. Der Hersteller nahm das Arzneimittel 2011 in Japan und 2013 weltweit vom Markt.
Dafür gibt es keine Belege aus Studien am Menschen. Das Versprechen stützt sich auf Laborversuche und Einzelberichte.
Aus dem Bakterium Serratia marcescens, das ursprünglich aus Seidenraupen isoliert wurde. Hergestellt wird das Enzym durch Fermentation mit Bakterienkulturen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.