Ecdysteron hat keine gesicherte Wirkung auf Muskeln: Eine von der WADA beauftragte Studie mit 46 jungen Männern (2019) fand mehr Kraftzuwachs als mit Placebo, eine ältere Studie mit 45 Kraftsportlern (2006) keinen Unterschied. In Analysen enthielten viele Präparate weit weniger Ecdysteron als angegeben, eines aus einer Trainingsstudie (2025) weniger als ein Hundertstel. Präparate aus der Pflanze Cyanotis arachnoidea sind in der EU nicht zugelassen, und die WADA beobachtet Ecdysteron seit 2020 im Sport. Stand: Oktober 2026.
Ecdysteron, chemisch 20-Hydroxyecdyson, ist der bekannteste Vertreter der Ecdysteroide. Bei Insekten und Krebstieren dient der Stoff als Häutungshormon, Pflanzen schützen sich damit vermutlich vor Fraß.
Ecdysteron steckt unter anderem in Spinat, Quinoa, Spargel und Champignons. Wie viel, schwankt je nach Sorte stark. Mit normalem Essen nehmen wir laut Verbraucherzentrale vermutlich nur sehr wenig davon auf.
Für Präparate wird Ecdysteron aus Pflanzen mit hohem Gehalt gewonnen, etwa aus der Maralwurzel (Rhaponticum carthamoides) oder aus der in China heimischen Cyanotis arachnoidea. Ein enger Verwandter ist Turkesteron aus der Günsel-Art Ajuga turkestanica.
Beworben wird Ecdysteron als „natürliches Anabolikum“ für mehr Muskeln und Kraft, oft mit dem Hinweis auf Spinat und Popeye. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Lebensmittel und Zutaten, die vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen wurden, gelten als neuartig. Sie brauchen vor dem Verkauf eine Zulassung. Für Ecdysteron als Reinstoff und für Extrakte aus Cyanotis arachnoidea gibt es keine.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Spinat, Quinoa, Spargel | Ganz normale Lebensmittel. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag zu Ecdysteron oder Cyanotis arachnoidea. Die Maralwurzel (Wurzel und Kraut der Pflanze) gilt als nicht neuartig. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung für Ecdysteron als Reinstoff oder für Cyanotis-Extrakte. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Estland meldete im Januar 2025 ein Nahrungsergänzungsmittel mit Cyanotis arachnoidea als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Es wurde vom Markt genommen. |
| Verbraucherzentrale | Ecdysteron-Produkte aus Cyanotis arachnoidea sind in der EU nicht zugelassen. Angeblicher Spinatextrakt war in Untersuchungen mit Cyanotis-Extrakt gestreckt. |
| Sport | Ecdysteron steht seit 2020 im Überwachungsprogramm der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), auch für 2027. Verboten ist es nicht. Die Forschenden der WADA-Studie von 2019 schlugen vor, ein Verbot zu prüfen. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Spinat, Quinoa und Spargel kannst du ganz normal essen. Präparate mit Ecdysteron aus Cyanotis arachnoidea sind in der EU nicht zugelassen, und Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Ähnliche Muskel-Versprechen prüfen wir bei Turkesteron und Laxogenin.
Die Freie Universität Berlin untersuchte 2019 im Auftrag der WADA 46 junge Männer, die 10 Wochen lang Krafttraining machten und Kapseln mit Ecdysteron oder ein Placebo bekamen. In den Ecdysteron-Gruppen nahmen Muskelmasse und Kraft beim Bankdrücken stärker zu. Spinat selbst wurde nicht getestet: Für die niedrigere Studienmenge hätte man laut der Universität je nach Sorte täglich eine große Portion bis mehrere Kilo Blattspinat essen müssen.
Eine US-Studie (2006) mit 45 Kraftsportlern fand nach 8 Wochen keinen Unterschied bei Muskeln, Kraft oder Hormonwerten. Eine deutsche Studie (2025) mit 28 trainierten Männern fand nach 12 Wochen ebenfalls keinen Unterschied – das gekaufte Präparat enthielt aber weniger als ein Hundertstel des angegebenen Ecdysterons.
Ein hochreines Ecdysteron wird als Arzneimittel bei Muskelschwund im Alter (Sarkopenie) entwickelt. In einer Studie mit 233 älteren Menschen (2025) änderte sich die Gehgeschwindigkeit in der Hauptauswertung nicht statistisch belegt, vertragen wurde der Stoff ähnlich wie Placebo. Mehrere Autorinnen und Autoren arbeiten für die Firma, die den Wirkstoff entwickelt.
In einem Rattenversuch (2015) wurden die Muskelfasern mit Ecdysteron dicker, stärker als mit verbotenen Anabolika in gleicher Menge. Die Forschenden vermuten als Angriffspunkt einen Östrogen-Rezeptor, nicht den Rezeptor männlicher Hormone. Bei alten Mäusen zeigte sich dagegen nach 4 Wochen kein Unterschied (2021).
Studien zu Wechselwirkungen mit Medikamenten gibt es kaum. Die Verbraucherzentrale rät, bei Medikamenten vorher in der Apotheke nachzufragen.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Hormonpräparate und Antihormon-Therapien, etwa bei Brust- oder Prostatakrebs | Nicht untersucht. Forschende vermuten, dass Ecdysteron an einem Östrogen-Rezeptor ansetzt. Nur nach Rücksprache mit der behandelnden Praxis. |
| Andere Medikamente, die du regelmäßig nimmst | Nicht untersucht. Weil der Inhalt der Produkte stark schwankt, frag vorher in deiner Praxis oder Apotheke. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor jedem Ecdysteron-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.
Gesichert ist keine. Eine Studie mit 46 jungen Männern (2019) fand mehr Kraftzuwachs, andere Studien fanden keinen Unterschied. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Spinat enthält Ecdysteron, getestet wurden aber Kapseln mit dem Reinstoff. Für die Mengen aus der Studie von 2019 hätte man je nach Sorte täglich eine große Portion bis mehrere Kilo Spinat essen müssen.
Nein, es steht nicht auf der Verbotsliste der WADA. Seit 2020 wird es aber im Überwachungsprogramm beobachtet, auch für 2027, und lässt sich in Dopingproben nachweisen.
Spinat und Quinoa sind normale Lebensmittel. Präparate aus Cyanotis arachnoidea sind in der EU nicht zugelassen, als Reinstoff gibt es keine Zulassung.
Bekannt sind Magen-Darm-Beschwerden, bei sehr hohen Mengen auch Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe. Langzeitdaten zu Nahrungsergänzungsmitteln fehlen.
Beide sind Ecdysteroide. Turkesteron stammt vor allem aus Ajuga turkestanica und ist am Menschen noch weniger untersucht.
Nein. Eine amtlich geprüfte Menge gibt es nicht, und die Sicherheit in Nahrungsergänzungsmitteln ist nicht belegt.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.