Gymnema hat keine belegte Wirkung: Seine Gymnemasäuren dämpfen im Mund für kurze Zeit den süßen Geschmack, und eine Auswertung von 10 kleinen Studien bei Typ-2-Diabetes mit 419 Personen verglich vor allem Werte vorher und nachher. Zusammen mit Diabetesmitteln kann der Zucker im Blut zu stark fallen. In der EU ist Gymnema nicht einheitlich geregelt: Frankreich und Italien erlauben das Blatt in Nahrungsergänzungsmitteln, die deutsche Stoffliste rät von der Verwendung in Lebensmitteln ab. Stand: Oktober 2026.
Gymnema sylvestre ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Hundsgiftgewächse, botanisch heißt sie auch Marsdenia sylvestris. Ihre Blätter werden in der indischen Ayurveda-Medizin genutzt.
Bekannt ist sie für einen ungewöhnlichen Effekt: Kaut man die Blätter oder trinkt den Tee, schmeckt Süßes eine Weile kaum noch süß. Verantwortlich sind die Gymnemasäuren, andere Geschmacksrichtungen verändern sie nicht. Laut dem Hersteller einer Lutschtablette hält das 30 bis 60 Minuten an.
Daher kommt der Hindi-Name Gurmar, sinngemäß „Zuckerzerstörer“. Beworben wird Gymnema heute gegen die Lust auf Süßes, beim Abnehmen und für die Zuckerwerte von Menschen mit Diabetes.
Ähnlich beworben werden Bittermelone, Ceylon-Zimt-Extrakt, Chrom und Banaba. Was Essen mit deinen Zuckerwerten zu tun hat, liest du in diesem Ratgeber.
Für Gymnema gibt es keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt das Blatt in Liste A. Das heißt: Sie empfiehlt, es nicht in Lebensmitteln zu verwenden. Sie verweist auf zwei Fachbücher, die die Pflanze als giftig einstufen, und nennt unter den möglichen Risiken Unterzuckerung, Durchfall, Schwäche sowie Reizungen von Herz-Kreislauf-System und Gebärmutter. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Frankreich erlaubt das Blatt in Nahrungsergänzungsmitteln und nennt Gymnemasäure als Stoff, den Hersteller im Blick behalten müssen. Eine Menge legt die Liste nicht fest.
In einer älteren Studie aus Indien bekamen Menschen mit Diabetes 400 mg eines Blattextrakts am Tag – das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Hast du eine Lebererkrankung, sprich vor einem Präparat mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
| Medikament oder Stoff | Gut zu wissen |
|---|---|
| Diabetes-Medikamente zum Einnehmen oder Spritzen | Zusammen kann der Zucker im Blut zu stark fallen. In einer älteren Studie aus Indien kamen Menschen mit Diabetes unter Gymnema mit weniger Medikamenten aus. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Andere Pflanzen, die mit Zuckerwerten beworben werden, etwa Bittermelone, Zimt oder Banaba | Die Effekte könnten sich addieren. Untersucht ist das nicht. |
| Andere Medikamente | Wenig untersucht. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis. |
Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten zur Sicherheit. Die Stoffliste nennt unter den möglichen Risiken eine Reizung der Gebärmutter. Nimm Gymnema in dieser Zeit nicht ohne ärztlichen Rat.
Für Kinder und Jugendliche gibt es keine Daten. Geht es dir ums Gewicht oder um Lust auf Süßes, sprich lieber mit deiner Haus- oder Kinderarztpraxis.
Gymnema ist in der EU nicht einheitlich geregelt. Eine Entscheidung der EU gibt es nicht, und die Länder gehen unterschiedlich damit um.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag für Gymnema sylvestre oder Marsdenia sylvestris, also keine EU-weite Einstufung. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Blatt in Liste A: Verwendung in Lebensmitteln nicht empfohlen. Nicht verbindlich. |
| Frankreich | Das Blatt steht unter dem Namen Marsdenia sylvestris auf der Liste der Pflanzen für Nahrungsergänzungsmittel, Gymnemasäure ist als Stoff zu überwachen. |
| Italien | Ein Entwurf der Pflanzenliste für Nahrungsergänzungsmittel (2017) führt Blatt, Milchsaft und Wurzel, ohne Warnhinweis. |
| Schweiz (kein EU-Land) | In Lebensmitteln und Nahrungsergänzung verboten. Schweizer Behörden riefen 2021 ein Produkt mit Gymnema zurück und meldeten 2022 ein weiteres über das EU-Schnellwarnsystem. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Ob Gymnema als Nahrungsergänzung verkauft werden darf, ist in der EU nicht einheitlich geklärt, in Deutschland raten die Behörden in ihrer Stoffliste davon ab. Als Lebensmittel darf Gymnema nicht mit Krankheiten wie Diabetes beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die Studien testeten sehr unterschiedliche Blattextrakte, Ergebnisse lassen sich nicht von einem Produkt aufs andere übertragen.
56 junge Erwachsene lutschten eine Tablette mit Gymnemasäuren oder ein Scheinmittel, danach gab es Schokolade nach Wunsch. Mit Gymnema aßen sie in 15 Minuten im Schnitt ein knappes halbes Stück weniger, und die Schokolade schmeckte ihnen weniger gut. Bezahlt hat die Studie der Hersteller der Tablette.
32 Erwachsene, die nach eigener Aussage gern Süßes essen, nutzten je zwei Wochen lang Gymnema-Lutschtabletten. Wer sie nach Bedarf nahm, trank laut eigenen Angaben weniger süße Getränke und hatte seltener Lust auf Süßes als mit Scheinmittel.
10 Studien mit 419 Menschen mit Typ-2-Diabetes: Nüchternwerte, Werte nach dem Essen und Langzeitzucker lagen nach Gymnema niedriger als vorher. Verglichen wurde aber vor allem vorher mit nachher, nicht mit einer Placebo-Gruppe, und die Ergebnisse unterschieden sich stark.
6 Studien an Erwachsenen: Mit Gymnema lagen Blutfette, Nüchtern-Zuckerwerte und der untere Blutdruckwert niedriger. Die Autorinnen und Autoren nennen die Studien klein und von geringer Qualität und fordern große, lange Studien.
22 Menschen mit Typ-2-Diabetes nahmen bis zu 20 Monate lang zusätzlich einen Blattextrakt. Ihre Medikamente konnten verringert werden, 5 setzten sie ganz ab. Die Studie ist alt und klein, große Studien dazu fehlen bis heute.
Eine belegte Wirkung auf das Körpergewicht gibt es nicht. Die Studien zur Lust auf Süßes liefen einen Tag oder zwei Wochen und sagen nichts über das Gewicht auf Dauer.
Belegt ist keine, eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Gesichert ist ein Geschmackseffekt: Gymnemasäuren dämpfen im Mund für kurze Zeit den süßen Geschmack.
In zwei kleinen Studien aßen junge Erwachsene mit Gymnema-Lutschtabletten etwas weniger Schokolade und hatten seltener Lust auf Süßes. Die erste bezahlte der Hersteller, beide liefen nur kurz.
Die Zuckerwerte lagen nach Gymnema meist niedriger als vorher, eine Auswertung von 10 Studien verglich aber vor allem vorher mit nachher. Große placebokontrollierte Studien fehlen.
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Zusammen kann der Zucker im Blut zu stark fallen, und Gymnema ersetzt keine Behandlung.
Das ist nicht einheitlich geregelt. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag, die Stoffliste von Bund und Ländern rät von der Verwendung in Lebensmitteln ab, Frankreich und Italien erlauben das Blatt.
Selten sind Leberschäden mit Gymnema-Produkten berichtet worden, der Zusammenhang war laut LiverTox meist schwach belegt. Hast du eine Lebererkrankung, sprich vorher mit deiner Praxis.
Laut dem Hersteller einer Lutschtablette 30 bis 60 Minuten. Andere Geschmacksrichtungen verändern Gymnemasäuren nicht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.