Eine belegte Wirkung von Indol-3-Carbinol (I3C) gibt es nicht: In kleinen Studien verschob sich bei Frauen das Verhältnis zweier Östrogen-Abbauprodukte im Urin, ob das gesundheitlich etwas bedeutet, ist offen. I3C entsteht beim Schneiden und Kauen von Brokkoli und Kohl, isoliert ist es in der EU aber ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel mit 7 Meldungen im EU-Schnellwarnsystem seit 2023. In einem Langzeitversuch der US-Behörden (2017) hatten Ratten und Mäuse mit hohen Mengen mehr Tumoren, und bei 16 von 17 Frauen arbeitete mit I3C ein Leberenzym schneller, das auch Medikamente abbaut. Stand: Oktober 2026.
Indol-3-Carbinol, kurz I3C, steckt nicht fertig im Gemüse. Kreuzblütler wie Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl, Blumenkohl, Grünkohl, Kohlrabi und Radieschen enthalten die Vorstufe Glucobrassicin. Erst beim Schneiden oder Kauen von rohem Gemüse trifft sie auf ein pflanzeneigenes Enzym, die Myrosinase, und I3C entsteht.
Kochen macht das Enzym unwirksam, dann entsteht weniger I3C. In der Magensäure lagern sich I3C-Moleküle zu neuen Stoffen zusammen, vor allem zu DIM. Auch DIM wird als Präparat verkauft. Ein anderer bekannter Stoff aus Brokkoli ist Sulforaphan.
Präparate enthalten isoliertes I3C, laut Verbraucherzentrale oft aus Brokkolisamen gewonnen. Beworben wird es mit Versprechen rund um Östrogen und laut Verbraucherzentrale mit einer Wirkung bei hormonabhängigen Krebsarten wie Brust- und Prostatakrebs. Solche krankheitsbezogenen Aussagen sind für Nahrungsergänzungsmittel nicht erlaubt. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
I3C als Teil von Gemüse ist ein normales Lebensmittel. Anders ist es bei isoliertem I3C: Es wurde vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang gegessen und gilt deshalb als neuartiges Lebensmittel. Das braucht vor dem Verkauf eine Zulassung, und die gibt es nicht.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Isoliertes I3C | Eintrag im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel: I3C als Stoff ist ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Grundlage sind Angaben der Behörden in Spanien und Belgien, eingetragen 2022. |
| DIM, das Folgeprodukt | Synthetisches DIM ist ebenfalls als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel eingetragen, bestätigt von Finnland 2014. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag zu I3C oder DIM, also keine Zulassung. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | 7 Meldungen zu Nahrungsergänzungsmitteln mit I3C von 2023 bis 2024, aus Slowenien, Polen, Litauen und Spanien. Die Produkte kamen aus den USA, Deutschland, Österreich und Ungarn. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Die EU lehnte zwei Anträge ab. Einen davon zum „hormonellen Gleichgewicht“ hielt die EFSA für nicht klar genug beschrieben. |
Für dich heißt das: Kapseln mit isoliertem I3C dürfen in der EU nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung verkauft werden. Produkte aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt und Reinheit geprüft. Brokkoli, Kohl und andere Kreuzblütler bleiben ganz normale Lebensmittel.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Laut Verbraucherzentrale stammen die meisten Studien, die Anbieter nennen, aus Zellkulturen und Tierversuchen.
In einer Studie (2005) nahmen 17 Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko 8 Wochen lang I3C. Das Verhältnis zweier Östrogen-Abbauprodukte im Urin verschob sich, die Hormonwerte im Blut, darunter Östradiol und Progesteron, veränderten sich aber nicht. Große Beobachtungsstudien fanden laut Linus Pauling Institute keinen klaren Zusammenhang zwischen diesem Urin-Verhältnis und dem Brustkrebs-Risiko.
In einer Studie (2000) bekamen 30 Frauen mit Zellveränderungen am Gebärmutterhals 12 Wochen lang I3C oder ein Scheinmittel. Mit I3C bildeten sich die Veränderungen bei 8 von 17 Frauen vollständig zurück, mit Scheinmittel bei keiner von 10. Die Ergebnisse gelten als vorläufig. Eine größere Studie (2012) mit dem Folgeprodukt DIM bei 551 Frauen mit leichten Zellveränderungen zeigte keinen klaren Unterschied zu Scheinmittel. Solche Zellveränderungen gehören in ärztliche Behandlung.
Eine Cochrane-Übersicht (2015) zu nicht operativen Behandlungen fand nur eine kleine Studie mit I3C. Sie verglich zwei Mengen miteinander und lieferte kaum verwertbare Daten.
Als I3C nicht: In einer Studie (2006) mit Frauen ließ sich nach dem Schlucken kein I3C im Blut nachweisen, nur das Folgeprodukt DIM. Mögliche Effekte gehen also eher auf die Abbauprodukte zurück als auf I3C selbst.
Bekamen Tiere I3C vor oder zusammen mit einem krebserregenden Stoff, entstanden in vielen Versuchen weniger Tumoren. Bekamen sie es erst danach, entstanden in einigen Versuchen mehr. Fachleute raten deshalb laut Linus Pauling Institute zur Zurückhaltung, bis Nutzen und Risiken klarer sind.
Gezielte Studien zu Wechselwirkungen am Menschen gibt es nicht. Bekannt ist, dass I3C das Leberenzym CYP1A2 antreibt. Laut Verbraucherzentrale gibt es Hinweise, dass I3C die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel mindert.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Mittel, die über CYP1A2 abgebaut werden, zum Beispiel Clozapin, Duloxetin, Theophyllin oder Tizanidin | Mit I3C arbeitete CYP1A2 bei Frauen deutlich schneller (2005). Der Spiegel solcher Mittel im Blut könnte dadurch sinken. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Koffein | Wird ebenfalls über CYP1A2 abgebaut. In der Studie von 2005 nutzten die Forschenden Koffein genau dafür, die Aktivität des Enzyms zu messen. |
| Säureblocker, zum Beispiel Protonenpumpenhemmer | Ohne Magensäure entsteht vermutlich weniger DIM. Was das bedeutet, ist unklar. |
| Hormonpräparate und Antihormon-Therapien | Nicht untersucht. I3C verändert in Studien den Abbau von Östrogen. Nur nach Rücksprache mit der behandelnden Praxis. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor einem I3C-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine. Kleine Studien zeigten vor allem Veränderungen bei Östrogen-Abbauprodukten im Urin, einen Nutzen für die Gesundheit belegen sie nicht. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Isoliert nicht: Der EU-Katalog führt I3C als noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, seit 2023 gab es 7 Meldungen im EU-Schnellwarnsystem. Brokkoli und Kohl sind dagegen ganz normal.
Fertig in keinem. Es entsteht aus der Vorstufe Glucobrassicin, wenn rohe Kreuzblütler wie Brokkoli, Rosenkohl, Kohl oder Radieschen geschnitten oder gekaut werden.
DIM entsteht aus I3C in der Magensäure. Nach dem Schlucken von I3C findet sich im Blut nur DIM, nicht I3C selbst. Beide sind isoliert in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen.
Bei Frauen verschob sich das Verhältnis zweier Östrogen-Abbauprodukte im Urin, die Hormonwerte im Blut blieben in einer Studie mit 17 Frauen gleich. Ob das Urin-Verhältnis etwas über das Brustkrebs-Risiko aussagt, ist nicht belegt.
Die Sicherheit isolierter Präparate ist nicht ausreichend untersucht. In einem Langzeitversuch hatten Tiere mit hohen Mengen mehr Tumoren, und I3C treibt ein Leberenzym an, das auch Medikamente abbaut.
Nein. Eine amtliche Menge gibt es nicht, und isoliertes I3C ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.