Einen belegten Nutzen von Methylenblau als Nootropikum oder Longevity-Mittel gibt es nicht: Am Menschen gibt es nur kleine Studien, und eine große Alzheimer-Studie mit 891 Teilnehmenden und einer abgewandelten Form verlief negativ. In der EU ist Methylenblau ein Arzneimittel auf ärztliche Verschreibung für Notfälle in der Klinik, als Lebensmittel ist es nicht zugelassen. Zusammen mit vielen Antidepressiva kann es ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom auslösen. Stand: Oktober 2026.
Methylenblau, chemisch Methylthioniniumchlorid, ist ein tiefblauer Farbstoff. Paul Ehrlich setzte ihn vor über 130 Jahren zur Behandlung von Malaria ein. Heute dient er vor allem zum Anfärben in Labor und Medizin.
Als Arzneimittel wird Methylenblau in der Klinik langsam in die Vene gespritzt. Das geschieht, wenn Medikamente oder Chemikalien den roten Blutfarbstoff so verändert haben, dass er keinen Sauerstoff mehr transportiert. Diese Störung heißt Methämoglobinämie, die Behandlung dauert meist nicht länger als einen Tag.
In sozialen Medien wird Methylenblau als „Nootropikum“ und Longevity-Mittel beworben. Die Werbung verspricht mehr Konzentration und Energie, oft ist von den Mitochondrien die Rede, den Kraftwerken der Zellen. Verkauft wird es meist als blaue Tropfen, teils im Mix mit anderen Trendstoffen wie NMN. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Methylenblau ist ein Arzneistoff. Seit 2011 ist ein Arzneimittel damit EU-weit zugelassen, auch in Deutschland. Als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung ist es nicht erlaubt.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel in der EU | Zugelassen seit 2011 zur akuten Behandlung einer Methämoglobinämie durch Medikamente oder Chemikalien, für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Es gibt das Mittel nur auf eingeschränkte ärztliche Verschreibung, angewendet wird es als Spritze in der Klinik. |
| Lebensmittel und Nahrungsergänzung | Methylenblau ist kein Nährstoff und hat keine Zulassung als Lebensmittel. Im EU-Katalog für neuartige Lebensmittel gibt es keinen Eintrag. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Belgien meldete 2025 ein Nahrungsergänzungsmittel aus der Slowakei mit Methylenblau als unzulässigem Stoff. |
| Laborchemikalie | Viele Tropfen aus dem Netz werden als Laborbedarf verkauft. Für Laborchemikalien gelten andere Regeln als für Lebensmittel, die Einnahme gilt laut Verbraucherzentrale NRW als nicht sicher (2026). |
| Apotheken | Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände warnt davor, die Chemikalie in Apotheken abzugeben (2024). |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Zum Einnehmen ist Methylenblau in der EU nur als Arzneimittel unter ärztlicher Aufsicht vorgesehen. Blaue Tropfen aus dem Netz hat keine Behörde auf Gehalt, Reinheit und Sicherheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Studien am Menschen sind selten und klein, viele Werbeaussagen stammen aus Zell- und Tierversuchen.
In Zellkulturen steigerte Methylenblau die Arbeit der Mitochondrien, und die Zellen alterten langsamer (2008). Laut Pharmazeutischer Zeitung sind diese Labordaten unstrittig, für einen klinischen Nutzen beim Menschen fehlt aber jede Evidenz (2024).
26 gesunde Erwachsene bekamen einmalig Methylenblau oder Placebo und machten Tests im Hirnscanner. Mit Methylenblau gaben sie in einem Gedächtnistest etwa 7 % mehr richtige Antworten als vorher. Der Unterschied zur Placebo-Gruppe war aber statistisch nicht gesichert (2016).
Eine abgewandelte Form von Methylenblau wurde in einer großen Studie mit 891 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung geprüft. Nach 15 Monaten zeigte sich bei Denkleistung und Alltag kein Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe (2016). Bezahlt hat die Studie der Hersteller.
37 Menschen mit bipolarer Störung bekamen zusätzlich zu ihrem Medikament 6 Monate lang abwechselnd eine höhere und eine sehr niedrige Menge Methylenblau. Mit der höheren Menge gingen depressive Beschwerden und Angst etwas zurück, Denkleistungen nicht (2017). Das ist eine kleine Studie unter ärztlicher Aufsicht, keine Empfehlung.
Die Fachinformation nennt mehrere gefährliche Kombinationen. Die wichtigsten stehen in der Tabelle.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Antidepressiva: SSRI wie Citalopram, Fluoxetin oder Sertralin, SNRI wie Venlafaxin, außerdem Clomipramin, Mirtazapin, Bupropion, Buspiron und MAO-Hemmer | Gefahr eines schweren, auch tödlichen Serotonin-Syndroms. Laut Fachinformation soll die Kombination vermieden werden. |
| Opioide wie Tramadol, Fentanyl und Pethidin, außerdem Dextromethorphan aus Hustenmitteln | Ebenfalls erhöhtes Risiko für ein Serotonin-Syndrom (Fachinformation). |
| Nahrungsergänzung, die auf Serotonin wirkt, wie 5-HTP, L-Tryptophan oder Johanniskraut | Die Pharmazeutische Zeitung warnt auch vor Kombinationen mit solchen Nahrungsergänzungsmitteln (2024). Nicht kombinieren. |
| Metformin, Aciclovir, Cimetidin | Laut Fachinformation können die Spiegel dieser Mittel vorübergehend steigen, weil Methylenblau ihre Ausscheidung verzögert. |
Nimm Methylenblau nicht ohne ärztliche Aufsicht, und sag deiner Praxis oder Apotheke, welche Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel du nimmst.
Als Arzneimittel ist es für die Notfallbehandlung einer Methämoglobinämie zugelassen. Einen belegten Nutzen als Nootropikum oder Longevity-Mittel gibt es nicht, die Studien am Menschen sind klein.
Nein. Methylenblau ist in der EU ein Arzneimittel auf ärztliche Verschreibung und als Lebensmittel nicht zugelassen. Tropfen aus dem Netz sind oft Laborchemikalien.
Nein, nicht ohne ärztliche Aufsicht. Mit vielen Antidepressiva kann Methylenblau ein lebensgefährliches Serotonin-Syndrom auslösen.
Nach der Spritze sind laut Fachinformation Schwindel, Kribbeln, Geschmacksstörungen, Übelkeit, Schwitzen und blaugrüner Urin sehr häufig. Bei G6PD-Mangel kann es rote Blutkörperchen zerstören.
Der Farbstoff wird zum großen Teil über die Nieren ausgeschieden und färbt Urin und Stuhl blaugrün. Auch die Haut kann sich bläulich färben.
Nein. Als Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Menge, weil es dafür nicht zugelassen ist. Als Arzneimittel legt die Klinik die Menge fest.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.