Pelargonium-Tropfen sind in Deutschland ein Arzneimittel, eine Wirkung ist aber nicht ausreichend belegt: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA erkennt die Wurzel nur als traditionelles Mittel an, und in den Studien zu akuter Bronchitis war der Unterschied zu Placebo kleiner, als sie für bedeutsam hält. Bis 2012 gingen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 30 Meldungen zu Leberschäden ein, seit 2014 steht ein Warnhinweis in der Packungsbeilage. Als Lebensmittel, also auch als Nahrungsergänzung, ist das Wurzelpulver in der EU nicht zugelassen. Stand: Oktober 2026.
Pelargonium sidoides, auf Deutsch Kapland-Pelargonie, ist eine Pflanze aus Südafrika. Sie gehört zu den Storchschnabelgewächsen. Verwendet wird die Wurzel, manchmal auch die der verwandten Art Pelargonium reniforme.
In der Wurzel stecken unter anderem Gerbstoffe und Cumarine. Die Extrakte werden mit Alkohol gewonnen, flüssige Zubereitungen wie die Tropfen enthalten deshalb Alkohol. Es gibt Pelargonium auch als Tabletten und Saft.
Bekannt wurde die Wurzel in Europa Anfang des 20. Jahrhunderts: Ein Engländer vermarktete eine Zubereitung als Kur bei Tuberkulose, nachdem ihn ein Heiler der Zulu damit behandelt hatte. Heute werden Pelargonium-Arzneimittel bei Erkältung und akuter Bronchitis angeboten.
Für Pelargonium hat die EU keine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Angaben zu Pflanzenstoffen hat die EU noch nicht abschließend geprüft, sie stehen „on hold“. Ähnlich beworben werden Echinacea und Holunderbeere.
Kurz gesagt: Pelargonium-Wurzel gibt es in Deutschland als Arzneimittel. Als Lebensmittel, also auch als Nahrungsergänzung, ist sie in der EU nicht zugelassen.
| Bereich | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel in der EU | EU-Monographie der EMA (Revision 2, 2024): traditionelles pflanzliches Arzneimittel, Anwendungsgebiet sind Beschwerden einer Erkältung. Die Einstufung beruht allein auf langer Anwendung. Eine „gut belegte Anwendung“ erkennt die EMA nicht an, weil ihr die Studien nicht reichen. |
| Arzneimittel in Deutschland | Neben traditionell registrierten Mitteln (Erkältung) gibt es zugelassene Arzneimittel mit dem Anwendungsgebiet akute Bronchitis. Das älteste ist seit 1976 im Handel und erhielt 2005 eine volle Zulassung. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Das Wurzelpulver ist ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. So hat es eine deutsche Behörde auf Anfrage eingestuft, im EU-Katalog steht das seit 2022. |
| EU-Liste zugelassener neuartiger Lebensmittel | Kein Eintrag, also keine Zulassung (Stand August 2026). |
| EU-Schnellwarnsystem (RASFF) | Spanien meldete im August 2024 drei Nahrungsergänzungsmittel mit Pelargonium-Wurzel als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Eines davon wurde vom Markt genommen. |
| Italien | Ein Entwurf der italienischen Pflanzenliste für Nahrungsergänzungsmittel führte die Wurzel 2017. Neuartige Lebensmittel brauchen aber eine EU-Zulassung, eine nationale Liste ersetzt sie nicht. |
| Stoffliste für Pflanzen (BVL, Deutschland) | Kein Eintrag. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzenstoffen stehen „on hold“. |
Für dich heißt das: Nahrungsergänzungsmittel mit Pelargonium-Wurzel haben in der EU keine Zulassung, auch wenn sie im Internet angeboten werden. Pelargonium-Arzneimittel haben eine Packungsbeilage mit Hinweisen zu Alter, Dauer und Warnzeichen.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Fast alle Studien testeten den Extrakt eines einzigen Herstellers.
Die EMA hat 3 Studien mit Placebo-Vergleich bewertet. Ein Punktwert für Beschwerden wie Husten und Auswurf sank mit dem Extrakt um 2,3 bis 2,7 Punkte stärker als mit Placebo. Als bedeutsam sieht die EMA erst einen Unterschied von 4 Punkten an. Die Studien liefen vor allem in der Ukraine und in Russland, mit denselben Forschenden und dem Hersteller.
Eine Cochrane-Auswertung (2013) fand 3 Studien mit 819 Kindern. Mit dem flüssigen Extrakt gingen die Beschwerden etwas stärker zurück, die Qualität der Belege war aber gering. Die EMA hielt die Unterschiede für nicht bedeutsam.
Zu Erkältung und zu Nebenhöhlen gab es in der Cochrane-Auswertung je nur eine Studie. Die Autorinnen und Autoren stufen die Belege als sehr schwach ein und vermuten, dass nicht alle Studien veröffentlicht wurden.
Bei Erwachsenen mit Bronchitis zeigten die Tropfen in der Cochrane-Auswertung für die meisten Messwerte einen Unterschied zu Placebo, die Tabletten nicht.
Eine Auswertung von 11 Studien mit 2.195 Teilnehmenden fand mit dem Extrakt häufiger einen deutlichen Rückgang des Hustens als mit Placebo. Der Hersteller bezahlte die Arbeit und lieferte die Daten, drei der Autorinnen und Autoren arbeiten bei ihm.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer (zum Beispiel Phenprocoumon oder Warfarin) | Pelargonium enthält Cumarine. Laut EMA haben sie nicht den Aufbau gerinnungshemmender Cumarine, und in einer Studie blieben die Warfarin-Spiegel gleich. Weil Nasen- und Zahnfleischbluten beschrieben sind, sprich vorher mit deiner Praxis. |
| Medikamente, die selbst die Leber belasten können | In 19 der 30 Leberfälle beim BfArM nahmen die Betroffenen weitere Medikamente. Werden deine Leberwerte schon kontrolliert, sag in der Praxis, dass du Pelargonium nimmst. |
| Mittel, die sich nicht mit Alkohol vertragen | Flüssige Zubereitungen enthalten Alkohol. Frag in der Apotheke, ob das bei deinen Medikamenten eine Rolle spielt. |
| Medikamente allgemein | Die EU-Monographie nennt keine berichteten Wechselwirkungen. Das heißt nicht, dass es keine gibt – untersucht ist wenig. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, sprich vor Pelargonium mit deiner Praxis oder Apotheke.
Eine Wirkung ist nicht ausreichend belegt. Die EMA erkennt die Wurzel nur als traditionelles Arzneimittel an, in den Studien zu akuter Bronchitis war der Unterschied zu Placebo kleiner, als sie für bedeutsam hält. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Ja. In Deutschland gibt es zugelassene und traditionell registrierte Arzneimittel mit Pelargonium-Wurzel. Als Lebensmittel ist die Wurzel in der EU nicht zugelassen.
Das ist möglich. Bis 2012 gingen beim BfArM 30 Meldungen zu Leberschäden ein, seit 2014 steht ein Warnhinweis in der Packungsbeilage. Wie oft das vorkommt, ist umstritten.
Beschrieben sind Durchfall, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch, Nasen- und Zahnfleischbluten, allergische Reaktionen bis zum Schock und Leberschäden. Wie häufig, ist nicht bekannt.
Die EU-Monographie empfiehlt die Tropfen für Kinder unter 3 Jahren nicht. Zugelassene Mittel können eigene Altersgrenzen haben, maßgeblich ist die Packungsbeilage.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit ab, weil Daten zur Sicherheit fehlen. Frag Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Erlaubt ist das in der EU nicht: Das Wurzelpulver ist ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Spanien meldete 2024 drei solche Produkte im EU-Schnellwarnsystem.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.