Eine belegte Wirkung von Sulbutiamin als Präparat gibt es nicht: In der größten Studie mit 326 Menschen mit Erschöpfung nach einem Infekt unterschied es sich nach 4 Wochen insgesamt nicht von Placebo. In Frankreich ist Sulbutiamin ein rezeptfreies Arzneimittel, in der EU ist es weder als Lebensmittel zugelassen noch eine erlaubte Form von Vitamin B1 für Nahrungsergänzung. Stand: Oktober 2026.
Sulbutiamin ist ein im Labor hergestellter Abkömmling von Vitamin B1, dem Thiamin. Es besteht aus zwei abgewandelten Thiamin-Bausteinen, die über eine Schwefelbrücke verbunden sind. Dadurch ist es fettlöslich, im Körper entsteht daraus wieder Thiamin.
Entwickelt wurde Sulbutiamin Mitte der 1960er-Jahre in Japan, zur Behandlung von Beriberi, einer Mangelkrankheit durch zu wenig Vitamin B1. Später kam es in Frankreich als Arzneimittel auf den Markt. Vitamin B1 selbst steckt in vielen Lebensmitteln, zum Beispiel in Haferflocken und grünen Erbsen.
Im Netz wird Sulbutiamin als „Nootropikum“ verkauft, die Werbung verspricht mehr Konzentration, Antrieb und gute Laune. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Ein anderer fettlöslicher Abkömmling von Vitamin B1 ist Benfotiamin. Was in Präparaten mit mehreren B-Vitaminen steckt, steht unter Vitamin-B-Komplex.
Sulbutiamin ist ein Arzneistoff. Für den Verkauf als Lebensmittel bräuchte es in der EU eine eigene Grundlage, und die gibt es nach unserer Recherche nicht.
| Wo | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel in Frankreich | Zugelassen und im Handel, rezeptfrei in der Apotheke. Anwendungsgebiet laut Fachinformation: bestimmte Zustände körperlicher oder seelischer Hemmung mit Antriebsmangel. Nur für Erwachsene, die Behandlung ist auf 4 Wochen begrenzt. Bei einer echten Depression ersetzt es keine Behandlung mit Antidepressiva. |
| Deutschland | Ein in Deutschland zugelassenes Arzneimittel mit Sulbutiamin ist uns nicht bekannt. |
| Vitamin B1 in Nahrungsergänzung | Erlaubt sind nur vier Formen: Thiaminhydrochlorid, Thiaminmononitrat, Thiaminmonophosphatchlorid und Thiaminpyrophosphatchlorid (Anhang II der Richtlinie 2002/46/EG). Sulbutiamin gehört nicht dazu. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Kein Eintrag. Eine Anfrage zum Status ist uns nicht bekannt. |
| EU-Schnellwarnsystem RASFF | Die Niederlande warnten 2024 vor einem Nahrungsergänzungsmittel aus den USA, das Sulbutiamin zusammen mit Yohimbin und dem Aufputschmittel DMAA enthielt. |
| USA | Als Arzneimittel nicht zugelassen. Das US-Verteidigungsministerium führt Sulbutiamin auf seiner Liste verbotener Zutaten in Nahrungsergänzungsmitteln für Soldatinnen und Soldaten. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
Für dich heißt das: Kapseln mit Sulbutiamin aus dem Netz sind in der EU weder als Lebensmittel noch als Vitamin-B1-Präparat erlaubt. Keine Behörde hat sie auf Gehalt und Reinheit geprüft.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Es gibt nur wenige Studien am Menschen, die meisten sind alt und klein.
In Frankreich bekamen 326 Menschen mit anhaltender Erschöpfung nach einem Infekt 4 Wochen lang Sulbutiamin in zwei Mengen oder Placebo. Insgesamt gab es keinen Unterschied (1999). Nur Frauen in einer Gruppe fühlten sich nach einer Woche etwas weniger erschöpft, ob das ein echter Effekt ist, ließen die Autoren offen.
26 Menschen mit Multipler Sklerose nahmen 60 Tage lang Sulbutiamin, ihre Werte auf einem Fragebogen zur Erschöpfung gingen zurück (2017). Eine Vergleichsgruppe mit Placebo gab es nicht, deshalb lässt sich der Effekt nicht vom Zufall oder von Erwartungen trennen.
In einer französischen Studie bekamen Menschen mit schwerer Depression in der Klinik ein Antidepressivum und dazu 8 Wochen Sulbutiamin oder Placebo. Die Depression besserte sich in beiden Gruppen gleich. Mit Sulbutiamin fühlten sich die Teilnehmenden in Alltag und Antrieb etwas weniger eingeschränkt. Die Autoren schreiben selbst, dass Sulbutiamin nicht antidepressiv wirkt (2000).
Studien mit gesunden Menschen zu Konzentration oder Gedächtnis sind uns nicht bekannt, die Daten zum Gehirn stammen aus Tierversuchen. Eine Übersicht von 2020 hält fest: Nach 50 Jahren Forschung gibt es nur wenige Studien mit methodischen Schwächen, nötig wären gute randomisierte Studien.
Ein russisches Dopinglabor fand Sulbutiamin 2009 in rund 100 von etwa 16.000 Urinproben, meist aus Wettkämpfen. Die Autoren vermuten, dass es gezielt genommen wurde, als leichtes Aufputschmittel (2010).
Eigene Studien zu Wechselwirkungen gibt es laut französischer Fachinformation nicht. Sie nennt zwei Punkte, die sich auf Thiamin beziehen, das aus Sulbutiamin entsteht.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Diuretika (Wassertabletten) | Sie erhöhen die Ausscheidung von Thiamin über den Urin (Fachinformation). |
| Muskelrelaxanzien bei einer Narkose | Ihre Wirkung kann durch Thiamin verstärkt werden (Fachinformation). Sag vor einer Operation, was du nimmst. |
| Antidepressiva | Nicht gezielt untersucht. In der Depressions-Studie wurde Sulbutiamin zusammen mit Clomipramin gegeben. Setz verordnete Mittel nicht ab und kombiniere nichts ohne Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Andere Medikamente, die du regelmäßig nimmst | Nicht untersucht. Frag vorher in deiner Apotheke. |
Nimmst du Medikamente, sprich vor einem Sulbutiamin-Präparat mit deiner Praxis oder Apotheke.
Belegt ist keine. In der größten Studie mit 326 Menschen mit Erschöpfung nach einem Infekt gab es nach 4 Wochen insgesamt keinen Unterschied zu Placebo.
Als Lebensmittel ist in der EU keine Zulassung bekannt, und Sulbutiamin ist keine erlaubte Form von Vitamin B1 für Nahrungsergänzung. In Frankreich ist es ein rezeptfreies Arzneimittel.
Nein. Es ist ein im Labor hergestellter Abkömmling, aus dem im Körper Thiamin entsteht. Vitamin B1 selbst steckt zum Beispiel in Haferflocken und grünen Erbsen.
Laut französischer Fachinformation gelegentlich Unruhe, Kopfschmerzen, Zittern, Übelkeit und Hautausschlag. In Schwangerschaft und Stillzeit soll es nicht genommen werden.
Ja, in einer französischen Studie zusätzlich zu einem Antidepressivum. Die Depression besserte sich nicht stärker als mit Placebo. Eine Depression gehört in ärztliche Behandlung.
Beide sind fettlösliche Abkömmlinge von Vitamin B1. Benfotiamin ist in Deutschland als Arzneimittel zugelassen, Sulbutiamin nach unserer Recherche nur in anderen Ländern wie Frankreich.
Nein. Für Nahrungsergänzung gibt es keine amtliche Menge. Beim Arzneimittel in Frankreich legt die Fachinformation die Einnahme fest.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.