Für Weizengras hat die EU keine Gesundheitsangabe zugelassen, und Studien am Menschen sind selten und klein – eine der wenigen Vergleichsstudien umfasste 23 Menschen. Laut Bundeszentrum für Ernährung sind seine Inhaltsstoffe meist nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse. Wichtiger sind die Risiken: Bei amtlichen Kontrollen steckten in 4 von 11 Präparaten aus Weizen- oder Gerstengras krankmachende E. coli. Stand: Oktober 2026.
Weizengras ist das junge Gras des Weichweizens (Triticum aestivum). Geerntet wird es etwa 3 bis 6 Wochen nach der Keimung, bevor sich Ähren bilden. Meist kommt es getrocknet und gemahlen als Pulver in den Handel, seltener als frisch gepresster Saft.
Das Pulver wird in Wasser, Smoothies oder Joghurt gerührt und mit Leistung, Abwehrkräften und Chlorophyll beworben. Sehr ähnlich ist Gerstengras, das aus jungen Gerstenblättern stammt.
Verlässliche Nährwerte aus einer amtlichen Datenbank gibt es für Weizengras nicht. Weder die deutsche Nährwertdatenbank BLS 4.0 noch die US-Datenbank USDA (SR Legacy) führen es, dort stehen höchstens Herstellerangaben einzelner Produkte.
Laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) schwanken die Gehalte je nach Boden, Ernte und Verarbeitung. Die Inhaltsstoffe sind meist nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse, für die empfohlenen Tagesmengen einzelner Vitamine bräuchte man sehr große Mengen Pulver.
Eine ungarische Studie (2021) fand in gefriergetrocknetem Weizengrassaft nur 0,467 mg Flavonoide pro 100 g. Einzelne Flavonoide, die frühere Arbeiten genannt hatten, waren gar nicht nachweisbar.
| Produkt | Was ist das? | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Weizengras-Pulver | Getrocknetes, gemahlenes junges Weizengras | Weizen-Erzeugnis, bei Zöliakie nur mit dem Hinweis „glutenfrei“ |
| Weizengras-Saft | Frisch gepresster Saft aus jungen Trieben | Roh verzehrt, deshalb gründlich gewaschenes Gras und schnell trinken |
| Gerstengras | Junge Blätter der Gerste | Gleiche Fragen zu Gluten und Keimen wie bei Weizengras |
| Chlorophyll-Präparate | Meist Kupfer-Chlorophyllin, eine abgewandelte Form des Blattgrüns | Kein Getreideprodukt |
Ein Pulver ersetzt kein Gemüse. Das BZfE rät, junges Gras nur in kleinen Mengen zu verwenden, fein gehackt wie Petersilie oder Schnittlauch.
Mehr zu grünem Blattgemüse im Lexikon unter Spinat und Petersilie. Ein anderes grünes Pulver ist Spirulina, ein Cyanobakterium.
Gluten ist das Speicher-Eiweiß im Weizenkorn. Weizengras wird geerntet, bevor sich Ähren und Körner bilden.
Ob in einem Pulver trotzdem Gluten steckt, zeigt erst eine Analyse. Gluten-Messwerte aus amtlichen Kontrollen von Weizengras sind uns nicht bekannt.
Weizen und Erzeugnisse daraus gehören in der EU zu den Allergenen, die in der Zutatenliste hervorgehoben werden müssen. Der Hinweis „glutenfrei“ ist nur erlaubt, wenn ein Lebensmittel höchstens 20 mg Gluten pro kg enthält.
Eine amtliche Tagesmenge für Weizengras gibt es nicht.
Laut BZfE werden meist 1 bis 2 gehäufte Teelöffel Pulver in Wasser verrührt. Das ist eine übliche Zubereitung, kein Rat.
In der Studie mit Weizengrassaft bei Colitis ulcerosa (2002) traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Treten Beschwerden auf, setz das Pulver ab und lass dich ärztlich beraten.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder Warfarin (Vitamin-K-Antagonisten) | Wie viel Vitamin K Weizengras enthält, steht in keiner amtlichen Datenbank. Laut DGE steckt Vitamin K vor allem in grünem Gemüse wie Spinat und manchen Kohlsorten. Fallberichte deuten auf eine Wechselwirkung hin, eine Studie an Ratten (2021) fand keine. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Mittel, die die Abwehr dämpfen (Immunsuppressiva) | Wegen möglicher Keime rät das BfR Menschen, deren Abwehr durch Medikamente geschwächt ist, Gras-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache zu verzehren. |
| Andere Medikamente | Gezielte Studien zu Wechselwirkungen liegen uns nicht vor. Frag vorher in der Apotheke. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Das BfR rät Schwangeren, Nahrungsergänzungsmittel aus getrockneten Gras- und Blattprodukten nur nach ärztlicher Rücksprache zu verzehren. Ob getrocknete Gras-Produkte ein Risiko durch Listerien bergen, lässt sich laut BfR mangels Daten nicht abschätzen.
Für Stillzeit und Kinder gibt es keine eigene Bewertung. Präparate dann nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Saft aus jungen Trieben | Laut Novel-Food-Katalog der EU kein neuartiges Lebensmittel (POL-NF-00759): als Lebensmittel und in Nahrungsergänzungsmitteln erlaubt. |
| Oberirdische Pflanzenteile | Laut Katalog in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. |
| Allergen-Kennzeichnung | Weizen und Erzeugnisse daraus müssen in der Zutatenliste hervorgehoben werden. „Glutenfrei“ nur bei höchstens 20 mg Gluten pro kg. |
| Keime | Das BfR rät Schwangeren und Menschen mit geschwächter Abwehr, Gras-Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache zu verzehren. |
Als Lebensmittel darf Weizengras nicht mit Krankheiten oder mit Wirkungen beworben werden, die nicht zugelassen sind.
Laut BZfE ist ein gesundheitlicher Nutzen von Weizen- und Gerstengras nicht belegt. Hier steht, was hinter den verbreiteten Versprechen steckt – ohne Versprechen.
Chlorophyll ähnelt im Aufbau dem roten Blutfarbstoff, hat in der Mitte aber Magnesium statt Eisen. Darauf beruht die alte Idee, mit Grassaft Blut zu bilden. Wie viel Chlorophyll der Mensch aus dem Essen überhaupt verwertet, ist laut Linus-Pauling-Institut kaum untersucht. Bei Tieren gelangten nur 1 bis 3 % ins Blut.
Weizengras wird oft als „basisch“ beworben. Der Körper hält den pH-Wert des Blutes aber selbst konstant, überschüssige Säuren scheiden Nieren und Lunge aus. Laut Verbraucherzentrale ist nicht belegt, dass eine dauerhafte „latente Azidose“ überhaupt Beschwerden auslöst.
Dass grüne Pulver angeblich angesammelte Stoffe aus dem Körper holen, ist nicht belegt. Eine Übersichtsarbeit (2015) fand zu Kuren, die so beworben werden, nur wenige mangelhafte Studien am Menschen und keine einzige randomisierte Vergleichsstudie.
In einer Studie aus Israel (2002) tranken 23 Menschen mit aktiver Colitis ulcerosa im letzten Abschnitt des Dickdarms einen Monat lang täglich 100 ml Weizengrassaft oder ein Scheinmittel. Ausgewertet wurden 19 von ihnen. Mit Weizengrassaft waren Krankheitsaktivität und Blutungen geringer. Größere Studien dazu gibt es nach unserer Recherche nicht.
Laut BZfE sind die Inhaltsstoffe meist nicht höher konzentriert als in frischem Obst und Gemüse. In gefriergetrocknetem Weizengrassaft fand eine Studie (2021) nur 0,467 mg Flavonoide pro 100 g.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Studien am Menschen sind selten und klein, eine der wenigen Vergleichsstudien umfasste 23 Menschen mit Colitis ulcerosa.
Gluten ist das Speicher-Eiweiß des Korns, und Weizengras wird vor der Kornbildung geerntet. Messwerte aus amtlichen Kontrollen sind uns nicht bekannt. Bei Zöliakie nur Produkte mit dem Hinweis „glutenfrei“, der höchstens 20 mg Gluten pro kg erlaubt.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Üblich sind laut BZfE 1 bis 2 gehäufte Teelöffel Pulver in Wasser – das ist keine Empfehlung.
Das größte bekannte Risiko sind Keime: In 4 von 11 amtlich untersuchten Gras-Präparaten steckten krankmachende E. coli. Schwangere und Menschen mit geschwächter Abwehr sollen solche Präparate laut BfR nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Der Vitamin-K-Gehalt ist nicht amtlich erfasst, und Fallberichte deuten auf eine Wechselwirkung mit Mitteln wie Phenprocoumon hin.
Weizengras stammt vom Weizen, Gerstengras von der Gerste. Beides sind junge Gräser vor der Ährenbildung. Das BfR fasst Präparate aus beiden bei den Keim-Risiken zusammen.
Der Körper hält den pH-Wert des Blutes selbst konstant. Dass eine dauerhafte „latente Azidose“ Beschwerden auslöst, ist laut Verbraucherzentrale nicht belegt.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.