Als Nahrungsergänzung hat Ginkgo keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und geprüft hat die EMA nur einen bestimmten, gereinigten Blattextrakt als Arzneimittel. In der GEM-Studie mit 3.069 Menschen ab 75 Jahren (2008) erkrankten mit diesem Extrakt nicht weniger an Demenz als mit Placebo. Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen – laut EMA vor Operationen absetzen und mit Gerinnungshemmern nur nach ärztlicher Rücksprache. Stand: Oktober 2026.
Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist ein Baum aus China mit fächerförmigen Blättern. Verwendet werden die getrockneten Blätter, mehr zur Pflanze steht im Lexikon.
Typische Inhaltsstoffe sind Flavonoide und Terpenlactone, also Ginkgolide und Bilobalid. Außerdem enthalten die Blätter laut BfR bis zu 2 Prozent Ginkgolsäuren. Sie können Allergien auslösen und gelten als bedenklich, deshalb werden sie für Arzneimittel-Extrakte fast vollständig entfernt.
In der Werbung geht es meist um Gedächtnis und Konzentration – so wie bei Bacopa oder Citicolin. Im Handel gibt es Arzneimittel, Tees und Nahrungsergänzungsmittel.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Arzneimittel mit Trockenextrakt | Gereinigter Extrakt aus den Blättern, mit Aceton und Wasser hergestellt und auf Flavonoide und Terpenlactone eingestellt | Laut EMA-Monographie ein Arzneimittel mit „gut belegter Anwendung“. Ginkgolsäuren sind nach dem Europäischen Arzneibuch auf höchstens 5 ppm begrenzt, also 5 millionstel Anteile. |
| Blattpulver | Gemahlene Blätter, zum Beispiel in Kapseln | Laut EMA traditionelles Arzneimittel. Ginkgolsäuren werden dabei nicht entfernt. |
| Ginkgo-Tee | Blätter, oft als Teil von Teemischungen | Lebensmittel. Das BfR konnte die Sicherheit mangels Daten nicht beurteilen. In einer Untersuchung von 9 Tees steckten schon in einer Tasse mehr Ginkgolsäuren, als für Arzneimittel an einem ganzen Tag toleriert werden. |
| Nahrungsergänzung | Blattpulver oder Extrakte unterschiedlicher Art, Gehalt je nach Hersteller | Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung. Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt, die Verwendung zu beschränken. |
Quellen: EMA-Monographie (2015) und Bewertungsbericht, BfR-Bewertung Nr. 021/2010, Stoffliste von Bund und Ländern.
Die Unterschiede zählen doppelt: Fast alle großen Studien testeten den gereinigten Arzneimittel-Extrakt. Ihre Ergebnisse lassen sich weder auf Tee noch auf Kapseln mit Blattpulver übertragen.
Für Ginkgo in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die EMA-Monographie legt Extrakte und Mengen nur für Arzneimittel fest. Für Kapseln als Nahrungsergänzung gelten sie nicht, und sie sind kein Rat zur Einnahme. Bei Arzneimitteln stehen Menge und Dauer in der Packungsbeilage.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt Ginkgoblätter als Tee und in Nahrungsergänzung, außerdem als Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Als kritische Inhaltsstoffe nennt sie Diterpenlactone und Ginkgolsäuren. Sie empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken, nennt aber keine Zahl. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Hast du andere Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament oder Situation | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer wie Phenprocoumon oder Warfarin, Plättchenhemmer wie Clopidogrel oder ASS, Schmerzmittel wie Ibuprofen | Ihre Wirkung kann laut EMA beeinflusst werden. Studien mit Warfarin zeigten keine Wechselwirkung, die EMA rät trotzdem zu Kontrollen beim Beginnen, Ändern und Absetzen. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Dabigatran (Gerinnungshemmer) | Ginkgo kann ein Transport-Eiweiß hemmen, dadurch könnte mehr Dabigatran ins Blut gelangen. Laut EMA ist Vorsicht nötig. |
| Nifedipin (Blutdruckmittel) | In einer Studie stieg der Spiegel bei manchen Menschen bis auf das Doppelte, mit Schwindel und stärkeren Hitzewallungen. |
| Efavirenz (HIV-Mittel) | Laut EMA nicht zusammen nehmen, der Spiegel von Efavirenz kann sinken. |
| Mittel gegen Epilepsie | Weitere Anfälle sind laut EMA nicht auszuschließen. Nur nach ärztlicher Rücksprache. |
| Geplante Operation | Laut EMA vorsichtshalber 3 bis 4 Tage vorher absetzen. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Ginkgo-Präparat in der Apotheke.
In der Schwangerschaft schließt die EMA Ginkgo-Arzneimittel aus: Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen, und Tierversuche reichen nicht aus, um Schäden für das Ungeborene auszuschließen. In der Stillzeit rät die EMA ab, weil unklar ist, ob Bestandteile in die Muttermilch übergehen.
In einer Studie an weiblichen Mäusen gab es Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit, Studien am Menschen fehlen. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sieht die EMA Ginkgo nicht vor. Präparate in diesen Lebensphasen nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Arzneimittel (EU-Monographie der EMA, 2015) | Ein bestimmter gereinigter Trockenextrakt: „gut belegte Anwendung“ bei altersbedingten Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit und für die Lebensqualität bei leichter Demenz. Blattpulver: traditionelles Arzneimittel bei schweren Beinen und kalten Händen und Füßen durch leichte Durchblutungsstörungen, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt ernste Ursachen ausgeschlossen hat. |
| Überprüfung | 2022 hat die EMA die regelmäßige Überprüfung der Monographie begonnen. Ein Ergebnis ist noch nicht veröffentlicht. |
| EU-Katalog für neuartige Lebensmittel | Blätter: nicht neuartig, als Lebensmittel üblich. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Blatt: als Tee und in Nahrungsergänzung bekannt, außerdem Arzneistoff und traditionelles Arzneimittel. Verwendung in Lebensmitteln nur beschränkt empfohlen (Liste B). Nicht verbindlich. |
| BfR (Bewertung Nr. 021/2010) | Sicherheit von Ginkgo-Tees mangels Daten nicht beurteilbar. Verdacht, dass hohe Gehalte an Ginkgolsäuren schaden können. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
Für dich heißt das: Ginkgoblätter dürfen in Lebensmitteln stecken. Geprüft ist aber nur der gereinigte Arzneimittel-Extrakt. Ob er bei Gedächtnisproblemen infrage kommt, klärt die Ärztin oder der Arzt – als Lebensmittel darf Ginkgo damit nicht beworben werden.
Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Die großen Studien testeten fast alle denselben gereinigten Arzneimittel-Extrakt, teils vom Hersteller bezahlt.
3.069 Menschen ab 75 Jahren nahmen im Mittel 6 Jahre lang einen standardisierten Ginkgo-Trockenextrakt oder Placebo. An Demenz erkrankten 277 mit Extrakt und 246 mit Placebo – kein bedeutsamer Unterschied, auch nicht bei Menschen mit leichten Gedächtnisstörungen zu Beginn.
In derselben Studie ließen Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Planen mit Extrakt genauso nach wie mit Placebo.
2.854 Menschen ab 70 Jahren mit Gedächtnisklagen nahmen 5 Jahre lang Extrakt oder Placebo. Eine wahrscheinliche Alzheimer-Erkrankung bekamen 61 mit Extrakt und 73 mit Placebo, der Unterschied war nicht bedeutsam. Schlaganfälle und Blutungen waren in beiden Gruppen ähnlich häufig. Bezahlt hat die Studie ein Hersteller.
Die Auswertung fand 36 Studien, die meisten klein und kürzer als 3 Monate. Die Ergebnisse für Denken und Alltag waren uneinheitlich, die Autoren halten einen verlässlichen Nutzen für nicht belegt.
18 Studien mit 1.985 Menschen: Gerinnungswerte im Blut veränderten sich mit standardisiertem Extrakt nicht bedeutsam. Trotzdem sind Blutungen in Einzelfällen berichtet, deshalb bleibt die EMA bei ihren Warnhinweisen.
Ein Ginkgo-Extrakt löste in einer US-Studie an Ratten und Mäusen nach 2 Jahren in hohen Mengen Tumoren in Leber und Schilddrüse aus. Die Internationale Krebsforschungsagentur stufte Ginkgo-Extrakt 2016 als „möglicherweise krebserregend“ ein, Daten am Menschen reichen nicht aus. Die EMA hält diese Tumorarten für eine Besonderheit von Nagetieren, die für Menschen nicht relevant ist.
Als Nahrungsergänzung gibt es keine belegte Wirkung, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA hat nur einen bestimmten, gereinigten Blattextrakt als Arzneimittel bewertet.
In zwei großen Studien mit zusammen über 5.900 älteren Menschen erkrankten mit Ginkgo-Extrakt nicht weniger an Demenz als mit Placebo. Bei Menschen, die schon an Demenz erkrankt sind, sind die Ergebnisse uneinheitlich.
Laut EMA kann Ginkgo die Blutungsneigung erhöhen, Blutungen sind in Einzelfällen beschrieben. Eine Auswertung von 18 Studien fand keine bedeutsamen Änderungen der Gerinnungswerte, mit Blutverdünnern trotzdem nur nach ärztlicher Rücksprache.
Die EMA sieht vor, Ginkgo-Arzneimittel vorsichtshalber 3 bis 4 Tage vor einer Operation abzusetzen. Sag vor jeder Operation und Zahnbehandlung, dass du Ginkgo nimmst.
Das ist nicht geklärt. Das BfR konnte die Sicherheit mangels Daten nicht beurteilen, und in einer Untersuchung enthielt schon eine Tasse mehr Ginkgolsäuren, als für Arzneimittel am ganzen Tag toleriert werden.
Nein, die EMA schließt Ginkgo-Arzneimittel in der Schwangerschaft aus, auch wegen der Blutungsneigung. In der Stillzeit rät sie ab.
Beides gibt es. Der gereinigte Extrakt mit begrenzten Ginkgolsäuren ist ein Arzneimittel, Tee und Kapseln mit Blattpulver sind Lebensmittel ohne geprüfte Wirkung.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.