Weihrauch-Kapseln haben keine belegte Wirkung: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie sieht 2026 keine ausreichenden Belege bei entzündlichem Rheuma. Bei Kniearthrose fand eine Cochrane-Auswertung (2014) mit angereicherten Extrakten etwas weniger Schmerzen, im Mittel 17 von 100 Punkten auf einer Schmerzskala, die Studien waren aber klein. In Nahrungsergänzung ist das Harz von Boswellia serrata laut EU-Katalog erlaubt, in Studien wurde es meist gut vertragen. Stand: Oktober 2026.
Weihrauch zum Einnehmen ist das Harz des Indischen Weihrauchbaums, Boswellia serrata. In der ayurvedischen Medizin hat es eine lange Tradition, für medizinische Zwecke wird es auch Olibanum genannt.
Als wichtigste Inhaltsstoffe gelten Boswelliasäuren, vor allem die kurz KBA und AKBA genannten Formen. Im Labor beeinflussen sie Botenstoffe, die bei Entzündungen eine Rolle spielen. Ob das beim Menschen etwas bewirkt, ist nicht belegt.
In Deutschland gibt es Weihrauch vor allem als Nahrungsergänzung. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zählte 2026 im Arzneimittel-Verzeichnis MMI rund 300 Präparate, nur eines davon ist apothekenpflichtig.
Weihrauch-Präparate unterscheiden sich stark. Manche enthalten gemahlenes Harz, andere Extrakte mit mehr Boswelliasäuren. Studienergebnisse gelten nur für das jeweils getestete Präparat.
| Form | Was es ist | Einordnung |
|---|---|---|
| Weihrauch-Kapseln | Harz oder Harz-Extrakt von Boswellia serrata | In Nahrungsergänzung laut EU-Katalog kein neuartiges Lebensmittel |
| Weihrauch in anderen Lebensmitteln | Zum Beispiel Harz in einer Würzpaste | Gilt als neuartig: 2025 meldete Deutschland eine Würzpaste mit Weihrauchharz als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel im EU-Schnellwarnsystem |
| Myrrhe | Harz des Myrrhenstrauchs (Commiphora myrrha) | Andere Pflanze, mehr unter Myrrhe |
| Guggul | Harz einer anderen Commiphora-Art | Andere Pflanze, mehr unter Guggul |
Quellen: Novel-Food-Katalog der EU, EU-Schnellwarnsystem RASFF, Stoffliste von Bund und Ländern.
Für Weihrauch in Nahrungsergänzungsmitteln gibt es in Deutschland keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge.
Die Stoffliste von Bund und Ländern führt das Harz als Arzneistoff und empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken. Eine Zahl nennt sie nicht. Die Liste ist eine Orientierungshilfe für Behörden, kein Gesetz.
Die Studien testeten sehr unterschiedliche Extrakte. Eine optimale Menge ist laut DGRh nicht erkennbar. Mengen aus Studien sind Studienbedingungen, kein Rat.
Berichte über Leberschäden durch Weihrauch-Extrakte sind uns aus der Fachliteratur nicht bekannt. Große Studien über viele Jahre fehlen aber. Hast du Beschwerden mit einem Präparat, frag in der Praxis oder Apotheke.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Gerinnungshemmer und Mittel gegen Blutplättchen (zum Beispiel Phenprocoumon, ASS, Clopidogrel) | Im Labor hemmten Weihrauch-Extrakte das Verklumpen von Blutplättchen und verlängerten die Gerinnungszeit (Studie 2011). Ob das beim Menschen das Blutungsrisiko erhöht, ist nicht untersucht. Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. |
| Medikamente, die über die Transport-Pumpe P-Glykoprotein laufen (zum Beispiel Digoxin) | Im Labor hemmten Boswelliasäuren diese Pumpe (Studie 2006). Ob sich dadurch Spiegel von Medikamenten im Blut ändern, ist beim Menschen nicht untersucht. |
| Methotrexat und andere Rheuma-Medikamente | Kombinationen mit Methotrexat wurden nur im Labor und im Tierversuch getestet. Sag deiner Praxis, dass du Weihrauch nimmst. |
| Medikamente allgemein | Gut untersuchte Wechselwirkungen gibt es nicht. Das heißt nicht, dass es keine gibt. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke.
Studien zu Weihrauch-Extrakten in Schwangerschaft und Stillzeit liegen nicht vor. Auch zur Sicherheit bei Kindern gibt es kaum Daten.
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder deshalb nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Lebensmittel (EU) | Laut Novel-Food-Katalog der EU sind Harz und Boswelliasäure-Extrakte aus dem Harz von Boswellia serrata in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. In anderen Lebensmitteln gelten sie als neuartig. |
| Stoffliste von Bund und Ländern | Das Harz ist als Arzneistoff gekennzeichnet, mit der Empfehlung, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken. Nicht verbindlich. |
| Arzneimittel | 2002 erhielt ein Weihrauch-Extrakt in der EU den Status eines Arzneimittels für seltene Leiden (Schwellungen im Gehirn bei Tumoren). Das ist keine Zulassung, der Status wurde 2006 auf Wunsch des Antragstellers gestrichen. Laut DGRh (2026) werden Weihrauch-Präparate in Deutschland überwiegend als Nahrungsergänzung verkauft, nur 1 Produkt ist apothekenpflichtig, dazu kommen 8 homöopathische Mittel. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
| EU-Schnellwarnsystem (RASFF) | 6 Meldungen von 2021 bis 2026 zu Ethylenoxid in Weihrauch-Extrakten aus Indien, außerdem 2025 eine Würzpaste mit Weihrauchharz als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. |
Ob ein Produkt Arzneimittel oder Nahrungsergänzung ist, entscheiden Behörden im Einzelfall. Als Lebensmittel darf Weihrauch nicht mit Krankheiten wie Arthrose oder Rheuma beworben werden.
Zu Weihrauch gibt es viele Labor- und Tierversuche, aber nur wenige gute Studien am Menschen. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen. Für Gelenke werden auch Teufelskralle und Curcumin angeboten.
Fünf Studien testeten drei verschiedene Weihrauch-Extrakte. In zwei Studien mit 85 Menschen lag der Schmerzwert nach 90 Tagen mit einem angereicherten Extrakt im Mittel 17 Punkte niedriger als mit Placebo, auf einer Skala bis 100. Die Werte für die Alltagsfunktion waren 8 Punkte besser. Die Autorinnen und Autoren sehen einen Trend, der weiter untersucht werden sollte.
Eine Auswertung von 13 Studien fand insgesamt keinen gesicherten Unterschied, weil die Studien sehr verschieden waren. Nur im Vergleich mit Placebo fielen die Fragebogen-Werte mit Weihrauch günstiger aus. Die Autoren fordern bessere Studien.
Die Fachgesellschaft hält manche Ergebnisse für unglaubwürdig, etwa 80 bis 90 Prozent weniger Beschwerden in wenigen Wochen. Die Gruppen waren klein, Verzerrungen durch die Forschenden seien anzunehmen. Bei rheumatoider Arthritis brachte eine Nachberechnung zweier deutscher Studien keinen Vorteil. Bei Kniearthrose müsse man Betroffenen aber nicht abraten, wenn die übrige Behandlung stimmt.
In einer Studie aus 22 deutschen Zentren (2011) nahmen Menschen mit Morbus Crohn in einer ruhigen Phase 52 Wochen lang einen Weihrauch-Extrakt oder Placebo. Ohne Rückfall blieben 60 von 100 mit Weihrauch und 55 von 100 mit Placebo, kein gesicherter Unterschied. Die Studie wurde vorzeitig beendet, der Extrakt wurde gut vertragen.
31 Menschen mit dieser Form der Darmentzündung mit Durchfall nahmen 6 Wochen einen Extrakt oder Placebo (2007). Rechnet man alle Teilnehmenden ein, hatten 44 von 100 mit Weihrauch keine Beschwerden mehr und 27 von 100 mit Placebo, statistisch nicht gesichert. Die Autoren fordern größere Studien.
44 Menschen mit Hirntumor bekamen zur Bestrahlung Weihrauch oder Placebo (2011). Die Schwellung im Gehirn ging bei 60 von 100 mit Weihrauch um mehr als drei Viertel zurück, mit Placebo bei 26 von 100. Es war eine kleine Pilotstudie, Lebensqualität und Denkvermögen änderten sich nicht.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Bei Kniearthrose fanden kleine Studien mit angereicherten Extrakten etwas weniger Schmerzen, im Mittel 17 von 100 Punkten. Die DGRh sieht 2026 keine ausreichenden Belege bei entzündlichem Rheuma.
Beworben werden sie meist bei Gelenkbeschwerden und Verdauungsbeschwerden. Untersucht wurden vor allem Kniearthrose, rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn und eine Form der Kolitis, mit gemischten Ergebnissen. Eine zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
In Studien wurde Weihrauch ähnlich gut vertragen wie Placebo. Beschrieben sind leichte Beschwerden im Bauch und 2 Fälle mit verändertem Blutbild nach sehr großen Mengen über lange Zeit.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Die Studien testeten sehr verschiedene Extrakte, eine optimale Menge ist laut DGRh nicht erkennbar.
Ja. Laut EU-Katalog sind Harz und Harz-Extrakte von Boswellia serrata in Nahrungsergänzungsmitteln kein neuartiges Lebensmittel. Die Stoffliste von Bund und Ländern empfiehlt aber, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Im Labor hemmten Weihrauch-Extrakte das Verklumpen von Blutplättchen, Studien am Menschen dazu fehlen.
Studien zu Schwangerschaft und Stillzeit gibt es nach unserer Recherche nicht. Frag vor jedem Präparat Ärztin, Arzt oder Hebamme.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.