Eine belegte Wirkung hat Agaricus blazei nicht: Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die Studien am Menschen sind klein, meist mit 40 bis 100 Teilnehmenden. Der Pilz selbst ist in der EU ein herkömmliches Lebensmittel, getrocknetes Myzelpulver dagegen ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Aus Japan sind schwere Leberschäden unter Extrakten beschrieben, in einem Bericht von 2006 starben 2 von 3 Krebskranken – bei Lebererkrankungen und während einer Krebsbehandlung deshalb nur nach ärztlicher Rücksprache. Stand: Oktober 2026.
Agaricus blazei ist ein Speisepilz aus Brasilien, auf Deutsch Mandelegerling oder Mandelpilz. Er gehört zur selben Gattung wie der Zuchtchampignon, mehr zu diesem im Lexikon unter Champignons. In Japan heißt er Himematsutake und wird dort seit 1965 gezüchtet.
Der Name ist verwirrend: Laut EU-Kommission ist der gezüchtete Pilz eigentlich Agaricus subrufescens. „Agaricus blazei Murrill“ bezeichnet eine andere Art, die nicht gezüchtet wird. Auf Packungen steht meist trotzdem der alte Name.
Die Werbung nennt vor allem Abwehr, Krebs und Zuckerwerte. Als wichtige Inhaltsstoffe gelten Beta-Glucane. Beta-Glucane aus Hafer und Gerste haben zugelassene Angaben – für Pilze gelten sie nicht, mehr unter Beta-Glucan. Andere Pilze als Nahrungsergänzung findest du unter Shiitake, Maitake und Lion's Mane.
Eine amtliche Tagesmenge für Pulver oder Extrakt gibt es nicht. Auch zu Tageszeit und Dauer gibt es keine Empfehlung einer Behörde.
In Studien bekamen die Teilnehmenden meist zwischen 0,9 und 5,4 g eines Pulvers oder Extrakts am Tag, über 3 Wochen bis 6 Monate. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Als gegarter Speisepilz gilt Agaricus blazei als normales Lebensmittel. Zu Extrakten gibt es Fallberichte und kleine Studien.
Laut MSKCC zeigte ein Extrakt im Labor eine östrogenähnliche Aktivität. Bei hormonabhängigem Krebs sprich ein Präparat deshalb vorher mit deiner Praxis ab.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Diabetesmittel (zum Beispiel Metformin) | Agaricus kann laut MSKCC die Zuckerwerte senken und die Wirkung dieser Mittel verstärken. In einer Studie (2007) nahmen Menschen mit Typ-2-Diabetes einen Extrakt zusätzlich zu Metformin und Gliclazid. Sprich die Einnahme vorher ab und kontrolliere deine Werte. |
| Krebsbehandlung (Chemo- oder Immuntherapie) | Die Fallberichte zu Leber und Lunge betrafen Menschen mit Krebs. Ein Extrakt kann Laborwerte verändern und die Suche nach der Ursache von Nebenwirkungen erschweren. Sprich jedes Präparat mit deinem Behandlungsteam ab. |
| Medikamente, die über das Enzym CYP3A4 abgebaut werden | Im Labor hemmte Agaricus dieses Enzym. Ob das im Körper eine Rolle spielt, ist laut MSKCC nicht geklärt. Frag in der Apotheke, ob deine Medikamente betroffen sind. |
| Mittel, die das Immunsystem dämpfen | Studien zu Wechselwirkungen fehlen. Weil die Leberfälle von 2013 auf eine Reaktion der Abwehr hindeuten, frag vorher in deiner Praxis. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Gut gegarter Mandelegerling als Speisepilz ist ein normales Lebensmittel. Zu Präparaten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Studien und keine behördliche Bewertung. Auch für Kinder fehlen Daten.
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
In der EU gilt ein Lebensmittel als neuartig, wenn es vor Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurde. Dann braucht es eine Zulassung. Der Pilz heißt Fruchtkörper, das fadenförmige Geflecht, aus dem er wächst, Myzel.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Fruchtkörper | Kein neuartiges Lebensmittel (Novel-Food-Katalog, Einträge POL-NF-00089 und POL-NF-14703). Darf als Lebensmittel und in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden. |
| Getrocknetes Myzelpulver | Noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Eine Anfrage in Spanien ergab, dass es vor 1997 in der EU nicht verzehrt wurde. |
| Meldungen in der EU | Schweden meldete 2022 über das EU-Schnellwarnsystem RASFF ein Nahrungsergänzungsmittel mit Agaricus blazei und zwei anderen Pilzen als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. |
| Rückruf in Japan (2006) | Das Gesundheitsministerium ließ 3 Agaricus-Produkte an Ratten testen. Eines förderte in 5- bis 10-facher Verzehrmenge Tumore, wenn die Tiere vorher krebsauslösende Stoffe bekommen hatten. Der Hersteller stoppte auf Bitte des Ministeriums den Verkauf, die beiden anderen Produkte zeigten das nicht. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Werbung mit Abwehr, Krebs oder Zuckerwerten ist keine geprüfte Aussage. |
Das japanische Ministerium betonte, der Rattenversuch sei kein Beleg für eine Gefahr bei allen Agaricus-Produkten. Es verweist aber auf Verdachtsfälle von Leberschäden und Lungenentzündungen in der Fachliteratur.
Mythen-Check: Was stimmt an verbreiteten Aussagen zu Agaricus blazei – und was zeigen Studien an Menschen?
57 ältere Frauen nahmen 60 Tage lang einen Extrakt oder ein Placebo (2012). Botenstoffe der Abwehr und der Entzündung im Blut veränderten sich in keiner Gruppe.
In Korea bekamen 39 von 100 Frauen mit Krebs an Gebärmutter oder Eierstöcken während der Chemotherapie einen Extrakt (2004). Bestimmte Abwehrzellen waren im Labor aktiver, und die Frauen gaben weniger Beschwerden wie Appetitlosigkeit an. Wie die Gruppen eingeteilt wurden, geht aus der Zusammenfassung nicht klar hervor. In Norwegen nahmen 40 Menschen mit einer Krebserkrankung des Knochenmarks rund 7 Wochen lang einen Mischextrakt oder ein Placebo (2015): Laborwerte änderten sich, beim Ansprechen auf die Therapie und beim Überleben gab es keinen Unterschied.
72 Menschen mit Typ-2-Diabetes nahmen 12 Wochen lang einen Extrakt oder Placebo zusätzlich zu ihren Tabletten (2007), ausgewertet wurden 60. Gemessen wurde vor allem ein Laborwert (HOMA-IR), der aus Nüchternwerten im Blut berechnet wird. Er lag danach in der Extrakt-Gruppe niedriger als mit Placebo. Folgen des Diabetes wurden in so kurzer Zeit nicht untersucht, größere Studien gibt es nach unserer Recherche nicht.
50 Menschen mit Colitis ulcerosa nahmen 21 Tage lang einen Mischextrakt mit Agaricus oder ein Placebo (2016). Die Extrakt-Gruppe bewertete ihre Beschwerden in Fragebögen günstiger, der Laborwert Calprotectin im Stuhl änderte sich nicht. Die Teilnehmenden wussten nicht, was sie bekamen, die Forschenden schon.
Agaricus-Pilze bilden Agaritin, einen Stoff, der aus Tierversuchen als möglicherweise krebsfördernd gilt. Zuchtchampignons enthielten in einer Messung (2011) deutlich mehr davon als Mandelegerlinge. Beim Erhitzen von Extrakten blieben 20 bis 50 % erhalten.
Fazit: Gut gegarter Mandelegerling ist ein normales Lebensmittel. Für Extrakte fehlen größere, unabhängige Studien, und die Fallberichte zur Leber sind ein Grund zur Vorsicht.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht. Die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen, und die Studien am Menschen sind klein, meist mit 40 bis 100 Teilnehmenden.
Der deutsche Name für Agaricus blazei, einen Speisepilz aus Brasilien und Verwandten des Zuchtchampignons. Richtig heißt die gezüchtete Art Agaricus subrufescens.
Aus Japan sind schwere Leberschäden unter Extrakten beschrieben, 2 von 3 Krebskranken starben in einem Bericht von 2006. Bei Lebererkrankungen nur nach ärztlicher Rücksprache.
In kleinen Studien veränderten sich Laborwerte, beim Überleben gab es keinen Unterschied. Agaricus ersetzt keine Therapie, sprich jedes Präparat mit deinem Behandlungsteam ab.
Nein. Getrocknetes Myzelpulver ist ein noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Erlaubt ist der Fruchtkörper, also der Pilz selbst.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. In Studien wurden 0,9 bis 5,4 g Pulver oder Extrakt am Tag untersucht – das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Nur nach Rücksprache. Laut MSKCC kann Agaricus die Zuckerwerte senken und die Wirkung dieser Mittel verstärken.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.