Eine belegte Wirkung hat Süßholzwurzel nicht: Die EU-Arzneimittelbehörde EMA führt sie nur als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden und Husten, bei Verdauungsbeschwerden höchstens 4 Wochen lang. Ihr Inhaltsstoff Glycyrrhizin kann den Blutdruck steigen und das Kalium sinken lassen – regelmäßig gelten höchstens 100 mg am Tag. Schon 2,5 g getrocknete Wurzel in Arzneibuch-Qualität enthalten mindestens so viel. Stand: Oktober 2026.
Süßholz ist eine Pflanze aus dem Mittelmeerraum und Asien. Ihre Wurzel kennst du als Grundlage von Lakritz und als süßlichen Tee. Als Präparat gibt es sie in Kapseln und Extrakten.
Der wichtigste Inhaltsstoff ist Glycyrrhizin. Es macht die Wurzel süß und ist zugleich der Grund für ihre bekannten Risiken: Auf Dauer und in größeren Mengen kann es Kalium aus dem Körper treiben und den Blutdruck steigen lassen.
Traditionell wird Süßholz bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und bei Husten mit Erkältung verwendet. Eine Variante, aus der Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde, ist DGL-Lakritze.
Süßholz steckt in mehr Lebensmitteln, als viele denken: in Lakritz, in Süßholztee und in vielen Kräutertee-Mischungen. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Süßholzwurzel.
| Produkt | Glycyrrhizin | Quelle |
|---|---|---|
| Lakritz (Süßware) | 3,8 bis 164 mg pro 100 g in 48 bayerischen Proben (2024) | LGL Bayern |
| Kräutertee mit Süßholz | Im Schnitt 126 mg pro Liter, Spanne 2 bis 450 mg (10 Tees, Niederlande, Untersuchung von 2000) | SCF 2003 |
| Getrocknete Süßholzwurzel in Arzneibuch-Qualität | Mindestens 4 % Glycyrrhizinsäure, also mindestens 40 mg pro Gramm | Europäisches Arzneibuch, laut EMA |
Für Glycyrrhizin aus allen Quellen zusammen gilt: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag (SCF 2003, BfR).
Rechenbeispiele: Bei Lakritz mit 164 mg pro 100 g erreichst du 100 mg schon mit rund 60 g. Bei Süßholztee mit 126 mg pro Liter sind es knapp 0,8 Liter. In 2,5 g getrockneter Wurzel stecken mindestens 100 mg – wie viel davon in den Tee übergeht, ist nicht genau bekannt.
Anis, Sternanis und Fenchel schmecken ähnlich, sind aber andere Pflanzen ohne Glycyrrhizin. Mehr zur Knolle unter Fenchel.
Für Glycyrrhizin gibt es einen amtlichen Richtwert. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF) hält regelmäßig bis 100 mg am Tag für die meisten Menschen für ausreichend sicher. Das gilt für alle Quellen zusammen: Lakritz, Tee und Präparate. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, unter 100 mg am Tag zu bleiben.
Für Süßholzwurzel als Nahrungsergänzung gibt es keine eigene Höchstmenge. Wie viel Glycyrrhizin eine Kapsel liefert, steht nicht immer auf der Packung. Fehlt der Wert, frag beim Hersteller oder in der Apotheke nach.
Für Süßholz-Arzneimittel gilt laut EMA: bei Verdauungsbeschwerden höchstens 4 Wochen, bei Husten nach 1 Woche ohne Besserung in die Praxis. Wer ein Süßholz-Arzneimittel nimmt, soll keine weiteren Süßholz-Produkte wie Lakritz dazu essen.
Die Risiken von Süßholz hängen am Glycyrrhizin. Ein Abbaustoff davon bremst ein Enzym, das in der Niere Cortisol in eine unwirksame Form umwandelt. Dann hält der Körper mehr Natrium und Wasser zurück und verliert Kalium – so, als wäre zu viel des Hormons Aldosteron im Spiel.
Nicht empfohlen ist Süßholz laut EMA bei hohem Blutdruck, Nierenerkrankungen, Leber- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei Kaliummangel. Mehr zum Mineralstoff unter Kalium.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Entwässerungsmittel (Diuretika) | Zusammen kann der Kaliumhaushalt stärker durcheinanderkommen. Die EMA rät von der Kombination ab. |
| Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin) | Die EMA rät von der Kombination ab, weil sich Störungen im Kaliumhaushalt verstärken können. |
| Kortison-Präparate (Kortikosteroide) | Die EMA rät von der Kombination ab. Auch das NCCIH nennt berichtete Wechselwirkungen. |
| Anregende Abführmittel | Die EMA rät ebenfalls von der Kombination ab, weil auch sie den Kaliumhaushalt stören können. |
| Blutdruckmittel | Süßholz kann ihrer Wirkung laut EMA entgegenwirken. |
| Medikamente, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden | 300 mg Glycyrrhizin am Tag über 14 Tage verringerten in Studien leicht die Spiegel mancher dieser Mittel, etwa von Midazolam und Omeprazol. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Süßholz-Präparat oder größeren Mengen Lakritz in der Apotheke oder Praxis.
Die EMA rät in Schwangerschaft und Stillzeit von Süßholz-Arzneimitteln ab. In Tierversuchen gelangte ein Abbaustoff von Glycyrrhizin zum Ungeborenen, und bei manchen stillenden Frauen fand sich Glycyrrhizin in der Muttermilch.
Finnische Beobachtungsstudien fanden: Frauen, die in der Schwangerschaft viel Lakritz aßen (mindestens 500 mg Glycyrrhizin pro Woche), bekamen ihre Kinder häufiger vor der 38. Woche. In einer Nachuntersuchung von 378 Kindern schnitten die stark belasteten mit etwa 12 Jahren in Intelligenztests im Schnitt 7 Punkte schlechter ab. Solche Studien zeigen Zusammenhänge, keinen Beweis.
Die US-Behörde NCCIH stuft große Mengen Lakritz in der Schwangerschaft als unsicher ein, etwa 250 g pro Woche. Unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Süßholz-Arzneimittel nicht. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Grenzwert | Glycyrrhizin aus allen Quellen: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag (SCF 2003, BfR). Eine gesetzliche Höchstmenge für Nahrungsergänzungsmittel gibt es nicht. |
| Kennzeichnung | Süßwaren ab 100 mg Glycyrrhizin pro kg und Getränke ab 10 mg pro Liter brauchen den Hinweis „enthält Süßholz“. Süßwaren ab 4 g pro kg und Getränke ab 50 mg pro Liter (mit Alkohol ab 300 mg) zusätzlich: „bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“. |
| Gesundheitsangaben | Keine zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
| Arzneimittel | EU-Monographie der EMA, überarbeitet im März 2026: traditionell bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und zum Abhusten bei Erkältung, allein auf Basis langer Anwendung. Eine „gut belegte Anwendung“ sah die EMA nicht. |
| Lebensmittel | Süßholz ist ein übliches Lebensmittel, etwa in Lakritz und Tee. Die Stoffliste von Bund und Ländern führt die Wurzel zugleich als Arzneistoff und empfiehlt, die Verwendung in Lebensmitteln zu beschränken. |
Die Kennzeichnungspflicht gilt für Süßwaren und Getränke. Als Lebensmittel darf Süßholz nicht mit Krankheiten beworben werden.
Süßholz ist viel untersucht, aber die meisten Studien sind klein. Die EMA fand 2026 keine Studie, die eine Wirkung so belegt, dass sie als „gut belegte Anwendung“ gelten könnte. Am besten belegt sind die Risiken. Hier steht, was untersucht wurde – ohne Versprechen.
Das ist die traditionelle Hauptanwendung. Eine Studie (2012) mit 50 Menschen mit Reizmagen testete einen glycyrrhizinarmen Extrakt eines Herstellers – die EMA hält sie für zu klein. Studien mit DGL bei Geschwüren nennt die EMA widersprüchlich und methodisch schwach. Mehr unter DGL-Lakritze.
In einer Studie (2013) gurgelten 236 Menschen vor einer Operation am Brustkorb mit Süßholz-Auszug oder Zuckerwasser. Danach hatten in der Süßholz-Gruppe weniger Menschen Halsschmerzen, nach einer halben Stunde 19 statt 36 Prozent. Die EMA sieht darin einen sehr speziellen Fall, aus dem sich nichts Allgemeines ableiten lässt.
Eine Auswertung von 18 Studien mit 337 Gesunden (2017) fand: Mit mindestens 100 mg Glycyrrhizin am Tag stieg der obere Blutdruckwert im Schnitt um 5,5 mmHg, und das Kalium im Blut sank. In einer schwedischen Studie (2024) mit 28 jungen Gesunden stieg der Blutdruck schon bei 100 mg am Tag nach 2 Wochen leicht, im Schnitt um 3,1 mmHg.
Große, unabhängige Studien zu Süßholz-Präparaten fehlen. Auch wie viel Glycyrrhizin Kapseln und Tees genau liefern, ist oft unklar.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die EMA führt Süßholzwurzel als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und bei Husten mit Erkältung – allein auf Basis langer Anwendung.
Entscheidend ist das Glycyrrhizin: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag aus allen Quellen (SCF, BfR). Das sind zum Beispiel rund 60 g einer starken Lakritz-Sorte, knapp 0,8 Liter eines durchschnittlichen Süßholztees – oder schon 2,5 g getrocknete Wurzel.
Auf Dauer und in größeren Mengen: höherer Blutdruck, Wassereinlagerungen, Kaliummangel und Muskelschwäche, selten Herzrhythmusstörungen. Meist gehen die Beschwerden zurück, wenn du Süßholz weglässt.
Für Süßholz-Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden sieht die EMA höchstens 4 Wochen vor. Für Nahrungsergänzungsmittel gibt es keine amtliche Dauer, die Grenze von 100 mg Glycyrrhizin am Tag gilt trotzdem.
Laut EMA Menschen mit hohem Blutdruck, Nieren-, Leber- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Kaliummangel. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit rät die EMA von Süßholz-Arzneimitteln ab.
DGL ist Süßholzwurzel, aus der Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde. Damit fällt der wichtigste bekannte Risikostoff weitgehend weg, eine belegte Wirkung hat aber auch DGL nicht.
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