DGL-Lakritze ist Süßholzwurzel, aus der das meiste Glycyrrhizin entfernt wurde – der Stoff, der bei viel Lakritz den Blutdruck steigen lassen kann. Für Glycyrrhizin gelten regelmäßig höchstens 100 mg am Tag. Ob DGL selbst etwas bewirkt, ist nicht belegt: Die Studien sind alt, klein und widersprüchlich. Stand: Oktober 2026.
DGL steht für „deglycyrrhizinierte Lakritze“. Gemeint ist ein Auszug aus Süßholzwurzel, aus dem Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde.
Glycyrrhizin gibt Lakritz seinen typischen Geschmack. Es ist auch der Grund, warum viel Lakritz auf Dauer Kalium aus dem Körper treiben und den Blutdruck steigen lassen kann. Ohne diesen Stoff soll Süßholz verträglicher sein – das ist die Idee hinter DGL.
Verkauft wird DGL als Nahrungsergänzung, etwa als Kautablette oder Pulver. Mehr zur ganzen Wurzel als Präparat liest du unter Süßholzwurzel.
Süßholz kennst du vor allem als Lakritz und als Süßholztee. Mehr zur Pflanze im Lexikon unter Süßholzwurzel.
| Produkt | Glycyrrhizin | Was Behörden sagen |
|---|---|---|
| Lakritz (Süßware) | Je nach Sorte sehr unterschiedlich: Bayerische Proben von 2024 lagen bei 3,8 bis 164 mg pro 100 g. | Ab 100 mg pro kg Pflichthinweis „enthält Süßholz“, ab 4 g pro kg zusätzlich ein Blutdruck-Warnhinweis. |
| Süßholzwurzel als Arzneitee | Enthält das Glycyrrhizin der Wurzel. | Traditionelles pflanzliches Arzneimittel, höchstens vier Wochen. Nicht empfohlen bei hohem Blutdruck, Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen und Kaliummangel (EMA). |
| DGL-Präparat | Weitgehend entfernt. Wie viel übrig bleiben darf, ist nicht amtlich festgelegt. | Keine amtliche Tagesmenge, keine Monographie, keine zugelassene Angabe. |
Für Glycyrrhizin aus allen Quellen zusammen gilt: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag (SCF 2003, BfR).
Ein Rechenbeispiel: Bei Lakritz mit 164 mg Glycyrrhizin pro 100 g – dem höchsten Wert der bayerischen Proben – erreichst du 100 mg schon mit rund 60 g.
Sternanis und Fenchel schmecken ähnlich nach Lakritz, sind aber andere Pflanzen. Ideen aus der Küche: Pho-Suppe mit Rindfleisch mit Sternanis, Bratapfel-Kompott mit Vanille-Skyr oder Ofen-Kabeljau mit Fenchel und Orange. Mehr zur Knolle im Lexikon unter Fenchel.
Für DGL gibt es keine amtliche Tagesmenge und keine Höchstmenge. Eine EU-Monographie als pflanzliches Arzneimittel gibt es für DGL ebenfalls nicht.
Für Glycyrrhizin gibt es dagegen einen Richtwert. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF) hält regelmäßig bis 100 mg am Tag für die meisten Menschen für ausreichend sicher. Das gilt für alle Quellen zusammen: Lakritz, Tee und Präparate. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät, unter 100 mg am Tag zu bleiben.
Wie viel Glycyrrhizin in einem DGL-Präparat übrig ist, steht nicht immer auf der Packung. Fehlt der Wert, frag beim Hersteller oder in der Apotheke nach.
In den alten Studien bekamen Teilnehmende rund 2 bis 5 g DGL am Tag, über vier bis sechs Wochen. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Zu DGL selbst gibt es wenige Sicherheitsdaten. Die US-Behörde NCCIH hält Präparate ohne Glycyrrhizin bis zu vier Monate für möglicherweise sicher.
Die bekannten Risiken von Süßholz hängen am Glycyrrhizin. Wer regelmäßig viel davon aufnimmt, kann laut BfR Kalium verlieren und Natrium einlagern.
Die folgenden Hinweise der EMA gelten für Süßholz mit Glycyrrhizin. Für DGL sind sie kaum untersucht. Je nach Restgehalt können sie aber auch hier zutreffen.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Entwässerungsmittel (Diuretika) | Zusammen kann der Kaliumhaushalt stärker durcheinanderkommen. Die EMA rät von der Kombination ab. |
| Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin) | Die EMA rät ebenfalls von der Kombination ab, weil sich Störungen im Kaliumhaushalt verstärken können. |
| Kortison-Präparate (Kortikosteroide) | Die EMA rät von der Kombination ab. Auch das NCCIH nennt berichtete Wechselwirkungen. |
| Anregende Abführmittel | Die EMA rät ebenfalls von der Kombination ab, weil auch sie den Kaliumhaushalt stören können. |
| Blutdruckmittel | Süßholz kann ihrer Wirkung laut EMA entgegenwirken. |
| Medikamente, die über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden | 300 mg Glycyrrhizin am Tag über 14 Tage verringerten in Studien leicht die Spiegel mancher dieser Mittel, etwa von Midazolam und Omeprazol. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Süßholz- oder DGL-Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Für Süßholz-Arzneimittel rät die EMA in Schwangerschaft und Stillzeit ab. In Tierversuchen zeigten sich bei hohen Mengen Glycyrrhizin Schäden an Ungeborenen. Daten aus Schwangerschaften gibt es kaum.
Die US-Behörde NCCIH stuft große Mengen Lakritz in der Schwangerschaft als unsicher ein, etwa 250 g pro Woche. Zu DGL in der Schwangerschaft gibt es keine Daten.
Unter 18 Jahren empfiehlt die EMA Süßholz-Arzneimittel nicht. Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder und Jugendliche nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
| Thema | Was gilt |
|---|---|
| Gesundheitsangaben | Für Süßholz und DGL ist keine Angabe zugelassen. Angaben zu Pflanzen stehen bei der EU „on hold“. |
| Grenzwert | Glycyrrhizin aus allen Quellen: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag (SCF 2003, BfR). |
| Kennzeichnung | Süßwaren ab 100 mg Glycyrrhizin pro kg und Getränke ab 10 mg pro Liter brauchen den Hinweis „enthält Süßholz“. Süßwaren ab 4 g pro kg und Getränke ab 50 mg pro Liter (mit Alkohol ab 300 mg) zusätzlich: „bei hohem Blutdruck sollte ein übermäßiger Verzehr dieses Erzeugnisses vermieden werden“. |
| Arzneimittel | Für Süßholzwurzel gibt es eine EU-Monographie (EMA, überarbeitet 2026): traditionell bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und bei Husten mit Erkältung, allein auf Basis langer Anwendung. Für DGL gilt sie nicht. |
| Neuartige Lebensmittel | Für DGL gibt es im Novel-Food-Katalog der EU keinen eigenen Eintrag. Ein anderer glycyrrhizinarmer Auszug, „Flavonoide aus Glycyrrhiza glabra L.“, ist als neuartiges Lebensmittel zugelassen – mit Warnhinweisen für Schwangere, Stillende, Kinder und bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. |
Als Lebensmittel darf DGL nicht mit Krankheiten beworben werden.
Die meisten Studien zu DGL stammen aus den 1970er-Jahren und untersuchten Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre. Die EMA nennt die Ergebnisse 2026 widersprüchlich und methodisch schwach. Hier steht, was untersucht wurde – ohne Versprechen.
In einer Studie (1978) bekamen 96 Menschen mit Magengeschwür vier Wochen lang DGL oder ein Scheinmittel. Am Ende heilten die Geschwüre in beiden Gruppen gleich oft, auch die Beschwerden unterschieden sich nicht. Eine Studie (1973) mit 38 Teilnehmenden fand ebenfalls keinen Unterschied.
Laut EMA zeigten mehrere kleine Studien aus den 1970er-Jahren keinen Vorteil gegenüber einem Scheinmittel. Neuere Studien dazu gibt es kaum.
Eine Studie (2012) gab 50 Menschen 30 Tage lang einen glycyrrhizinarmen Süßholz-Extrakt eines Herstellers oder ein Scheinmittel. Die Beschwerden gingen mit dem Extrakt stärker zurück. Die EMA hält die Studie für zu klein, um daraus etwas abzuleiten.
Eine Auswertung von 8 Studien mit 541 Teilnehmenden (2024) fand: Mit Glycyrrhizin lag der obere Blutdruckwert im Schnitt um 3,5 mmHg höher. Auszüge, die vor allem andere Süßholz-Stoffe (Flavonoide) enthielten, veränderten ihn nicht. In einer schwedischen Studie (2024) mit 28 gesunden jungen Menschen stieg der Blutdruck schon bei 100 mg Glycyrrhizin am Tag nach zwei Wochen leicht, im Schnitt um 3,1 mmHg.
Neue, große Studien zu DGL fehlen. Auch wie viel Glycyrrhizin in heutigen DGL-Präparaten steckt, ist kaum untersucht.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
DGL ist Süßholzwurzel, aus der Glycyrrhizin weitgehend entfernt wurde. Glycyrrhizin ist der Stoff, der in größeren Mengen den Blutdruck steigen lassen kann.
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, und die EU hat keine Gesundheitsangabe zugelassen. Die meisten Studien sind über 40 Jahre alt; bei Magengeschwüren schnitt DGL nicht besser ab als ein Scheinmittel.
Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht. Die EMA führt Süßholzwurzel als traditionelles Arzneimittel bei Verdauungsbeschwerden mit Brennen und bei Husten mit Erkältung – allein auf Basis langer Anwendung, höchstens vier Wochen.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. Für Glycyrrhizin aus allen Quellen gilt: regelmäßig höchstens 100 mg am Tag (SCF).
Ohne Glycyrrhizin fällt der wichtigste bekannte Risikostoff weitgehend weg. Wie viel noch drin ist, ist aber nicht amtlich geregelt, und zu DGL selbst gibt es wenige Sicherheitsdaten.
Das BfR rät, unter 100 mg Glycyrrhizin am Tag zu bleiben. Wie viel Lakritz das ist, hängt stark von der Sorte ab: Bei 164 mg pro 100 g sind es rund 60 g.
Dazu gibt es keine Daten. Für Süßholz-Arzneimittel rät die EMA in Schwangerschaft und Stillzeit ab – sprich vorher mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
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