Alpha-Galactosidase ist ein Enzym. Es spaltet Zuckerketten wie Raffinose und Stachyose, die vor allem in Bohnen, Kichererbsen und Linsen stecken. Hier steht, was kleine Studien dazu zeigen – und was nicht.
Hülsenfrüchte enthalten Mehrfachzucker wie Raffinose, Stachyose und Verbascose. Der Dünndarm hat kein eigenes Enzym, das sie spalten kann. Deshalb wandern sie weiter in den Dickdarm.
Dort vergären Bakterien diese Zucker. Dabei entstehen Gase. Alpha-Galactosidase aus Präparaten soll die Zucker schon vorher in kleinere Bausteine zerlegen.
Für Präparate wird das Enzym meist aus dem Schimmelpilz Aspergillus niger gewonnen. Die Menge steht als Enzymaktivität in GalU auf der Packung, nicht in Milligramm.
Vor allem in Hülsenfrüchten: Bohnen, Kichererbsen, Linsen und Soja wie Edamame. Sie kommen auch in anderen Pflanzen vor. Am besten untersucht sind aber Hülsenfrüchte.
Das Enzym selbst nimmst du mit dem Essen nicht auf. Es gibt es nur als Präparat.
Ideen aus der Küche: Kichererbsen-Spinat-Eintopf mit Kurkuma, Toskanischer Weiße-Bohnen-Eintopf, Weißkohl-Bohnen-Eintopf mit Kümmel oder Linsen-Bolognese mit Zucchini-Nudeln.
Eine Höchstmenge der EU oder des BfR gibt es für Alpha-Galactosidase nicht.
Die kanadische Gesundheitsbehörde (Health Canada) hat eine Monographie für zugelassene Produkte. Darin stehen für Erwachsene ab 18 Jahren höchstens 3.000 GalU am Tag. Genommen wird es dort mit dem ersten Bissen einer Mahlzeit.
In Studien wurden 150 bis 1.200 GalU pro Mahlzeit untersucht. Das ist eine Studienbedingung, kein Rat.
In den kurzen Studien wurde das Enzym meist gut vertragen. In einer Studie über 12 Wochen (2016) brachen aber mehr Teilnehmende mit Enzym ab als mit Placebo – 18 gegenüber 7. Als Gründe nannten sie häufiger Bauchschmerzen und Durchfall.
Health Canada nennt als bekannte Reaktion Überempfindlichkeit oder Allergie. Dann solltest du das Präparat absetzen.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Acarbose (Diabetes) | In einer Studie mit 37 Menschen mit Typ-2-Diabetes (1998) wirkte Acarbose zusammen mit dem Enzym etwas schwächer. Die Werte nach dem Essen lagen aber weiter unter Placebo. |
| Andere Diabetes-Medikamente | Dazu gibt es keine Studien. Wer Diabetes hat, soll laut Health Canada vorher Rücksprache halten. |
Weitere gut belegte Wechselwirkungen sind nicht bekannt. Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Für Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine Daten. Health Canada rät dann zur Rücksprache vor der Einnahme.
Die kanadische Monographie gilt nur für Erwachsene. Eine Studie hat Kinder von 4 bis 17 Jahren untersucht. Präparate für Kinder deshalb nur nach Rücksprache mit Kinderärztin oder Kinderarzt.
In der EU wird Alpha-Galactosidase als Nahrungsergänzung verkauft. Die EU-Verordnung über Lebensmittelenzyme gilt dafür nicht. Sie erfasst nur Enzyme, die bei der Herstellung von Lebensmitteln eine technische Aufgabe haben.
Im Novel-Food-Katalog der EU gibt es keinen Eintrag für Alpha-Galactosidase. Für das verwandte Enzym Laktase aus Aspergillus oryzae steht dort: in Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig.
Die Studien zu Alpha-Galactosidase sind klein und meist kurz. Hier steht, was untersucht wurde – ohne Versprechen.
8 gesunde Erwachsene aßen 420 g gekochte Bohnen, mit 300 oder 1.200 GalU Enzym oder Placebo (2007). Mit 1.200 GalU fanden sich weniger Wasserstoff im Atem und schwächere Winde. Bei beiden Mengen lag die Summe der Beschwerden im Fragebogen niedriger als mit Placebo.
19 Erwachsene aßen zweimal ein Bohnen-Chili, einmal mit Enzym-Tropfen und einmal mit Placebo (1994). Mit Enzym notierten sie über 6 Stunden insgesamt weniger Winde. Bei Blähbauch und Schmerzen fand sich kein Unterschied.
Die Ergebnisse sind uneinheitlich. Bei 31 Menschen mit Reizdarm (2018) fielen die Beschwerden nach Essen mit vielen dieser Zucker mit Enzym geringer aus. Eine Pilotstudie mit 20 Menschen (2021) fand keinen Unterschied zu Placebo. Eine Studie mit 125 Menschen über 12 Wochen (2016) fand keinen klaren Nutzen.
52 Kinder von 4 bis 17 Jahren mit häufigen Gasbeschwerden bekamen 2 Wochen Enzym oder Placebo (2013). Mit Enzym gaben sie weniger Belastung an. Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Die Autoren fordern größere Studien.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Ein Enzym, das Mehrfachzucker wie Raffinose und Stachyose spaltet. Diese Zucker stecken vor allem in Hülsenfrüchten und können sonst erst im Dickdarm vergären.
Meist vor Mahlzeiten mit Bohnen, Kichererbsen oder Linsen. Kleine Studien fanden danach weniger Winde, aber nicht in allen Studien. Eine EU-zugelassene Gesundheitsangabe gibt es nicht.
Eine EU-Höchstmenge gibt es nicht. Health Canada erlaubt für Erwachsene bis 3.000 GalU am Tag. Die Menge wird als Enzymaktivität angegeben, nicht in Milligramm.
Die kanadische Monographie nennt den ersten Bissen einer Mahlzeit. Eine Empfehlung einer EU-Behörde gibt es nicht.
In kurzen Studien wurde es meist gut vertragen. In einer längeren Studie brachen mehr Teilnehmende wegen Bauchschmerzen oder Durchfall ab. Bei Allergie absetzen, bei Diabetes oder Galaktosämie vorher ärztlich klären.
Nein. Bei Morbus Fabry fehlt ein körpereigenes Enzym, behandelt wird mit Arzneimitteln als Infusion. Präparate für Hülsenfrüchte sind dafür nicht gedacht.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.