Eine belegte Wirkung hat Granatapfel-Extrakt nicht: Die EU hat beantragte Angaben zu Cholesterin, Blutgefäßen, Prostata und Erektion nach einem EFSA-Gutachten von 2010 abgelehnt. Eine Auswertung von 22 Studien fand im Mittel etwas niedrigere Blutdruckwerte bei sehr uneinheitlichen Ergebnissen, und in einer Studie mit 183 Männern nach einer Prostatakrebs-Behandlung gab es keinen Unterschied zu Placebo. Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht, und mit Blutverdünnern ist eine Wechselwirkung beschrieben. Stand: Oktober 2026.
Granatapfel-Extrakt wird aus der Frucht von Punica granatum gewonnen, oft aus ihrer Schale. Er enthält Gerbstoffe, vor allem Punicalagine und Ellagsäure.
Aus diesen Gerbstoffen bilden bestimmte Bakterien im Körper Urolithine. Wie viel, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Eines davon, Urolithin A, wird als eigenes Präparat verkauft, ist in der EU aber noch nicht als Lebensmittel zugelassen.
In der Werbung geht es vor allem um Herz, Blutgefäße, Blutdruck, Prostata und Sport. Ähnlich vermarktet werden andere Pflanzenstoffe wie Resveratrol oder Quercetin.
| Form | Was drinsteckt | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Frucht (Kerne) | Je 100 g rund 79 kcal, 16 g Zucker und 2 g Ballaststoffe | Ein normales Lebensmittel. Saft nur aus den Kernen enthielt in einer Messung bloß Spuren von Punicalaginen. |
| Saft aus der ganzen Frucht | In einer Messung 1.500 bis 1.900 mg Punicalagine pro Liter | Beim Pressen der ganzen Frucht gehen Gerbstoffe aus der Schale in den Saft. Saft liefert außerdem den Zucker der Frucht. |
| Extrakt | Oft auf Punicalagine oder Ellagsäure eingestellt, Gehalt je nach Produkt | Viele Extrakte stammen aus der Schale. Die Produkte lassen sich kaum vergleichen. |
Werte der Frucht aus dem Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 4.0, Granatapfel roh). Punicalagine aus einer Messung handelsüblicher Säfte (2000).
Granatapfelkerne passen in Salate, Bowls und zu Gemüse, zum Beispiel in Auberginen-Röllchen mit Granatapfel, eine Buchweizen-Bowl mit Rotkohl, Tofu und Granatapfel, einen orientalischen Linsensalat mit Granatapfel und Minze oder einen Grünkohl-Granatapfel-Salat mit Pekannüssen.
Mehr zur Frucht, zum Öffnen und Entkernen liest du im Lexikon unter Granatapfel.
Eine amtliche Tagesmenge für Granatapfel-Extrakt gibt es nicht, weder als Empfehlung noch als Höchstmenge.
Extrakte sind sehr verschieden: Manche sind auf Punicalagine eingestellt, andere auf Ellagsäure, und viele stammen aus der Schale. Mengen verschiedener Produkte lassen sich deshalb kaum vergleichen.
In Studien zu Prostatakrebs bekamen Männer 1 bis 3 g Extrakt am Tag. Das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Bei Hautausschlag, Schwellungen oder Atemnot nach Granatapfel oder einem Präparat hol sofort ärztliche Hilfe.
| Medikament | Gut zu wissen |
|---|---|
| Blutverdünner wie Warfarin oder Phenprocoumon | Ein Fallbericht (2009) beschreibt veränderte Gerinnungswerte, als eine Patientin aufhörte, regelmäßig Granatapfelsaft zu trinken. Sprich Saft und Extrakt vorher mit deiner Praxis ab. |
| Statine | Laut Memorial Sloan Kettering Cancer Center kann Granatapfelsaft zusammen mit Statinen das Risiko für einen Zerfall von Muskelgewebe erhöhen, beschrieben in einem Fallbericht. |
| Medikamente, die über die Leberenzyme CYP3A oder CYP2C9 abgebaut werden | Im Labor und bei Ratten hemmte Granatapfel diese Enzyme. In Studien am Menschen zeigte sich kein bedeutsamer Effekt, etwa beim Schmerzmittel Flurbiprofen (2012). Frag trotzdem in der Apotheke. |
| Metformin | Bei Ratten schwächte zuvor gegebener Saft die Wirkung von Metformin ab. Ob das beim Menschen eine Rolle spielt, ist nicht geklärt. |
| Blutdruckmittel | In Studien lagen die Blutdruckwerte mit Granatapfel teils etwas niedriger. Nimmst du Blutdruckmittel, sprich ein Präparat vorher ab. |
Nimmst du regelmäßig Medikamente, frag vor einem Präparat in der Apotheke oder Praxis.
Granatapfel als Frucht oder Saft ist ein normales Lebensmittel. Zu Extrakten in Schwangerschaft und Stillzeit gibt es keine behördliche Bewertung und kaum Daten. Auch für Kinder fehlen Studien.
Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme.
In der EU zeigt der Novel-Food-Katalog, welche Pflanzenteile schon vor Mai 1997 nennenswert verzehrt wurden. Was danach neu dazukam, braucht eine Zulassung.
| Teil | Status | Was heißt das? |
|---|---|---|
| Frucht | Kein neuartiges Lebensmittel | Darf als Lebensmittel verkauft werden. |
| Schale, Blüte und Samen | In Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig | Dürfen in Nahrungsergänzungsmitteln stecken. |
| Extrakt mit 40 % Punicalaginen | In Nahrungsergänzungsmitteln nicht neuartig (Anfrage in Finnland) | Darf in Nahrungsergänzungsmitteln stecken. |
| Granatapfelkernöl | Noch nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel (Anfrage in Frankreich) | Ohne Zulassung darf es nicht als Lebensmittel verkauft werden. |
Gesundheitsangaben: Für Granatapfel hat die EU mehrere Angaben abgelehnt, zugelassen ist keine. Werbung mit einer Wirkung ist deshalb nicht erlaubt.
Viele Studien nutzten Saft statt Extrakt, und viele sind klein. Hier steht, was untersucht wurde, an wem und mit welchem Ergebnis – ohne Versprechen.
Eine Auswertung von 22 Studien (2024) fand mit Granatapfel in verschiedenen Formen im Mittel etwas niedrigere Blutdruckwerte. Die Ergebnisse der Studien gingen aber weit auseinander, die Autoren fordern bessere Studien. In einer kleinen Studie mit Extrakt-Kapseln (2017, 55 Erwachsene, 8 Wochen) lag nur der untere Wert leicht niedriger, um knapp 3 mmHg.
In der größten Studie (2015) bekamen 183 Männer mit wieder steigendem PSA-Wert nach einer Behandlung Extrakt, Saft oder Placebo. Beim Anstieg des PSA-Werts gab es zwischen den Gruppen keinen Unterschied. Auch eine Studie mit 98 Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs (2013) fand keinen Unterschied zu Placebo. Eine weitere Studie mit 104 Männern (2013) verglich 1 und 3 g Extrakt am Tag ohne Placebo-Gruppe, daraus lässt sich kein Nutzen ableiten.
Laut NCCIH zeigten Studien keine klaren Effekte auf Cholesterin und andere Blutfette. Eine beantragte Angabe dazu hat die EU nach einem EFSA-Gutachten von 2010 abgelehnt.
In der Studie mit Extrakt-Kapseln (2017) unterschieden sich Körperfettanteil und Bauchumfang nach 8 Wochen nicht von Placebo.
Das stimmt nur für manche Menschen. Ob Urolithine entstehen, hängt von den Bakterien im Körper ab: Laut einer Übersicht (2014) bilden 5 bis 25 % der Menschen gar keine davon.
Fazit: Granatapfel ist als Frucht ein normales Lebensmittel. Für Extrakte ist ein Nutzen nicht belegt.
Supplement-Tracker: Einnahme planen und abhaken
Eine belegte Wirkung gibt es nicht, die EU hat mehrere beantragte Angaben abgelehnt. Eine Auswertung von 22 Studien fand im Mittel etwas niedrigere Blutdruckwerte bei sehr uneinheitlichen Ergebnissen, Studien zu Prostatakrebs keinen Unterschied zu Placebo.
Eine amtliche Tagesmenge gibt es nicht. In Studien zu Prostatakrebs waren es 1 bis 3 g Extrakt am Tag – das sind Studienbedingungen, kein Rat.
Meist wird er gut vertragen, manchmal gibt es Magen-Darm-Beschwerden. Allergien sind beschrieben, und große Mengen Schale können laut NCCIH schädlich sein.
Nur nach Rücksprache mit deiner Praxis. Ein Fallbericht beschreibt veränderte Gerinnungswerte bei Warfarin und Granatapfelsaft.
Saft aus der ganzen Frucht enthält Gerbstoffe aus der Schale, in einer Messung 1.500 bis 1.900 mg Punicalagine pro Liter, und den Zucker der Frucht. Extrakte sind konzentriert und je nach Produkt sehr verschieden.
Bestimmte Bakterien im Körper bilden aus den Gerbstoffen des Granatapfels Urolithine. Laut einer Übersicht bilden 5 bis 25 % der Menschen gar keine.
Ja: Schale, Samen und ein Extrakt mit 40 % Punicalaginen gelten in Nahrungsergänzungsmitteln als nicht neuartig. Granatapfelkernöl ist dagegen noch nicht zugelassen.
Diese Seite informiert, sie ersetzt keine ärztliche Beratung. SmarTasty verkauft keine Nahrungsergänzungsmittel.